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Kongress für Sexualreform in Wien

Die Reformierung von Sexualleben und Sexualmoral stellte ein wichtiges Thema zahlreicher Organisationen der Zwischenkriegszeit dar. Ziel dieser Gruppen war die Anpassung des Sexualstrafrechts, die Überwindung der „überkommenen“ Moralvorstellungen und ein gesundes sowie hygienisches Sexualleben. Aus der Vereinigung vieler dieser Vereine ging 1928 die Weltliga für Sexualreform hervor. Diese Vereinigung veranstaltete mehrere wissenschaftliche Kongresse über Sexualreform, deren vierter unter dem Motto Sexualnot und Sexualreform von 16. bis 23. September in Wien stattfand. Mit über 2.000 Teilnehmenden war dieser Kongress der mit Abstand größte. Das Programm umfasste etwa 80 theoretische Vorträge und Berichte aus der Beratungspraxis sowie einen Ausstellungsteil. Die Wahrnehmung des Kongresses in der österreichischen Öffentlichkeit hätte kaum zwiespältiger ausfallen können. Während zahlreiche sozialdemokratische PolitikerInnen – allen voran Adelheid Popp als Befürworterin der Abtreibungsfreigabe – aktiv teilnahmen, verunglimpfte die konservative Presse die Konferenzinhalte als „Moralbolschewismus“.

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