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Aufbruch von ehemaligen Häftlingen des KZ Mauthausen, Aufnahme vom 13.8.1945, Credit: Foto: USIS, ÖNB, Bildarchiv und Grafiksammlung.
Kriegsende 1945 – Vorsichtiger Aufbruch in die Zukunft
von Monika Sommer und Heidemarie Uhl

Wie die Menschen in Österreich das Kriegsende und die Kapitulation des Deutschen Reiches erlebt haben, war je nach individueller Lage und Aufenthaltsort unterschiedlich. „Die Bilder sind also diffus“, hält der Zeitzeuge und Historiker Gerald Stourzh fest. Lange Zeit war das Bild einer „Stunde Null“ gezeichnet worden, das allerdings Kontinuitäten überdeckt und daher aus Sicht vieler Historikerinnen und Historiker keine taugliche Metapher für das Kriegsende ist. Auch die Dichotomie von Befreiung und Besetzung verengt den Blick auf die vielschichtigen Erfahrungswelten am Beginn der Zweiten Republik.  „Zwischen den Zeiten“ wurde als Titel der Webausstellung des Hauses der Geschichte Österreich gewählt, sie zeigt die Monate zwischen der Kapitulation und den ersten Wahlen im November 1945 aus Sicht von Profi- und Amateurfotografie, die Momentaufnahmen geben Einblick in die unmittelbare Nachkriegszeit.

 

Hunderttausende Flüchtlinge aus der Gottschee, dem Sudentenland und anderen deutschsprachigen Gebieten waren auf den Straßen unterwegs. Zehntausende ZwangsarbeiterInnen wie auch befreite KZ-Häftlinge versuchten in ihre Heimatländer und zu ihren Familien zurückzukehren, für viele war das nicht möglich – ihre Angehörigen waren dem Holocaust zum Opfer gefallen. Simon Wiesenthal war im KZ Mauthausen befreit worden und nahm umgehend seine wegweisende Arbeit der Verfolgung von Tätern des NS-Terrors auf. Nur 20 Tage nach der Befreiung des Lagers hatte Wiesenthal eine achtseitige Liste mit den Namen von annähernd 150 NS-Verbrechern erstellt.

 

Die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann erlebte das Kriegsende in Klagenfurt, das von britischen Truppen befreit wurde. In ihrem Tagebuch hielt die Neunzehnjährige fest: „Mein liebes Tagebuch, jetzt bin ich gerettet. (...) Die Russen sind in Wien und wahrscheinlich auch schon irgendwo in der Steiermark. Ich hab mit Issi über alles gesprochen. (…) Vor den Russen fürchten wir uns beide. Ich will ja nicht glauben, was geredet wird, aber niemand kann ja voraussehen, was mit uns machen werden, ob sie uns hierlassen oder nach Sibirien bringen.“ Ebenfalls 19-jährig war Lucia Heilmann, die als Tochter jüdischer Eltern in Wien aufgewachsen war und sich gemeinsam mit ihrer Mutter durch die Hilfe des besten Freundes ihres Vaters versteckte, als die Deportationen der Jüdinnen und Juden in die Konzentrations- und Vernichtungslager begannen. Ein Keller in der Gumpendorfer Straße war zu ihrem Unterschlupf geworden, hier erlebte sie die Befreiung durch die sowjetischen Truppen: „Wir sind ganz vorsichtig und voller Angst aus unserem Versteck gekommen und haben gesehen, dass russische Soldaten durch die Gumpendorfer Straße marschiert sind und ich war endlich befreit, war das ein Gefühl, das man nicht beschreiben kann. Ein ungeheuer belebendes Gefühl! Ich war glücklich, ich war selig, ich konnte endlich laufen, wohin ich wollte, und ich konnte mich auf jede Parkbank setzen.“

 

Nur wenige überlebende Jüdinnen und Juden hatten den Holocaust überlebt und kehrten wieder nach Österreich bzw. Wien zurück. Darunter war die Familie des 15-jährigen Rudolf Gelbard aus Wien-Leopoldstadt, die im Lager Theresienstadt befreit wurde. Gelbard erinnerte sich: „Wie dann die russischen Truppen da waren, das kann man sich nicht vorstellen dieses Gefühl, es war ein geschenktes Leben – eine Wiedergeburt.“ Er berichtet aber auch über den wenig freundlichen Empfang der Heimgekehrten: „Mit einem Sonderzug wurden wir relativ bald nach Wien gebracht. (...) Da gab es einige, die gesagt haben: ‚Jö, der Gelbard, die Gelbards san wieder da. Na, wieso, sagt’s einmal: I hab g’hört, dass ihr also alle vergast wroden seid’s. Na, sagt’s einmal: Wieso habt’ d’n ihr überlebt. Und mein armer Vater, der gezeichnet war von der Hat, denn er ist ja sehr kurz nachher gestorben, durch die Folgen der Haft, mit 44, hat dann mühsam erklären müssen, wieso wir eigentlich durch einen Zufall überlebt hatten.“  Der Antisemitismus war auch nach dem Ende des Nationalsozialismus noch virulent. Zwar mussten sich alle ehemaligen NS-Parteimitglieder – über 500.000 ÖsterreicherInnen waren Mitglied der NDSAP gewesen - nach dem Verbotsgesetz vom 8. Mai 1945 registrieren lassen, die ihnen auferlegten Restriktionen waren aber nur von kurzer Dauer. Mit der Amnestie der Minderbelasteten 1948 sollten 90 Prozent von ihnen von den „Sühnefolgen“ befreit werden und auch das Wahlrecht wiedererlangen.

 

Für Kinder war das Kriegsende wieder eine ganz eigene Erfahrung, etwa aus der Perspektive des damals 11-jährigen Thomas Chorherr, langjähriger Chefredakteur der Tageszeitung „Die Presse“, in Mauterndorf (Salzburg) den Rückzug der deutschen Truppen und die Befreiung durch britische und amerikanische Truppen erlebte: „Entlang der Rückzugsstraßen der Deutschen (...) liegen Karabiner, Maschinengewehre, Panzerfäuste haufenweise, finden wir abgestellte und verlassene Armeeautos. Kriegsende als Paradies für Halbwüchsige. Das Chaos – Spielwiese für Kinder.“

 

Ein beeindruckendes Dokument zur Stimmung zu Kriegsende in Wien – das bereits am 13. April 1945 befreit worden war - ist das Tagebuch des Wiener Diplomaten Josef Schöner, der in der Heeresstandortverwaltung tätig war. Er schreibt am 10. April: „Man spürt das allgemeine Aufatmen – ich will nicht sagen, daß eine Begeisterung oder ein Freudenrausch herrscht, aber alles ist erleichtert und irgendwie hoffnungsvoll, jeder spricht von dem Anfang der neuen Zeit, die jetzt kommen wird. (...) Sogar die als Pgs [Parteigenossen] bekannten Einwohner stehen herum – natürlich ohne Zeichen ihrer früheren Würden – und stimmen in den Chor der erleichterten Herzen ein.“

 

Für die Erinnerungskultur des offiziellen Österreich spielte das Ende der NS Herrschaft jahrzehntelang praktisch keine Rolle. „Österreich ist frei“ wurde nicht mit 1945, sondern mit dem 15. Mai 1955, dem Tag der Unterzeichnung des Staatsvertrags, verbunden. Leopold Figls emotionale Botschaft zählt, gemeinsam mit der Präsentation des Vertrags vom Balkon des Oberen Belvedere, zu den ikonischen Gedächtnisorten der Zweiten Republik. In den 5er und 10er Jahren wurden in der Folge nicht das Ende von Krieg und NS-Terrorherrschaft und die Wiederherstellung der demokratischen Republik gefeiert, sondern die Wiedererlangung der vollen Souveränität durch den Staatsvertrag.

 

Die individuellen Erfahrungen des Jahres 1945 sind ambivalent und lassen sich nicht auf einen Nenner bringen. Auch nach Gründung der Republik und Kriegsende kam es zu gewaltsamen Übergriffen, Plünderungen und Vergewaltigungen. Aber nicht 1955, sondern die Wiederherstellung von Demokratie und Rechtsstaat im Jahr 1945 ist die entscheidende Zäsur,  wie es der deutsche Bundespräsident Richard von Weizäcker 1985 in Bezug auf die Bundesrepublik Deutschland ausdrücken sollte. „Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.“ Österreich hat sich erst spät zu diesem Bekenntnis durchgerungen. Das Jahr 2005 stand noch ganz im Zeichen des traditionellen Staatsvertragsjubiläums. Die Feier des 8. Mai war eine Reaktion auf das provokante Totengedenken deutschnationaler schlagender Burschenschaften in der Krypta des Äußeren Burgtors am Wiener Heldenplatz. 2012 wurde der 8. Mai erstmals mit einem Konzert am Heldenplatz als Tag der Freiheit, ab 2013 als Tag der Freude gefeiert.

 

 


Weiterführendes zu dem Thema 

 

Beitrag und Podcast mit Heidemarie Uhl auf der Seite der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

 

Webausstellung "Zwischen den Zeiten – Frühling und Sommer 1945 in Fotos"

 

Webausstellung "Elf neue Perspektiven auf 1945"

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