Unsere UnterstützerInnen - Haus der Geschichte

UnterstützerInnen

UnterstützerInnen des Hauses der Geschichte Österreich

Das Haus der Geschichte Österreich freut sich sehr, dass sich bereits mehr als 100 engagierte und prominente Persönlichkeiten aus den Bereichen Bildung, Kunst, Kultur, Literatur, Medien, Musik, Museum, Politik, Religion, Theater, Wissenschaft und Forschung sowie Wirtschaft und renommierte ZeitzeugInnen intensiv Gedanken über die Relevanz des Projekts gemacht haben.

Univ. Prof. Dr. Ludwig Adamovich

Präsident des Verfassungsgerichtshofes 1984 – 2002, Zeitzeuge

Ich begrüße sehr die Gründung des Hauses der Geschichte. Besonders wichtig scheint mir, dass zwar der Schwerpunkt auf die Zeit von 1918 bis in die Gegenwart gelegt werden soll, aber unter Berücksichtigung der Zeit ab der Mitte des 19. Jahrhunderts. Der ambivalente und vielfach missbrauchte Begriff „Nation“ lässt sich nicht ohne einen solchen Rückgriff fassen, denn er spielte schon im revolutionären Geschehen des Jahres 1848 und in der folgenden politischen Entwicklung eine wesentliche Rolle. Bei der unerfreulichen Diskussion über Österreich als behauptetem erstem Opfer des Nationalsozialismus wird folgendes zu bedenken sein: Einerseits war der Staat Österreich noch vor der Erlassung des „Anschlussgesetzes“ Ziel einer militärischen Aggression der deutschen Wehrmacht. Anderseits hat ein heute nicht mehr quantifizierbarer, aber sicher sehr großer Teil der Bevölkerung diesen Vorgang lebhaft begrüßt. Nicht die ganze Bevölkerung aber war am Heldenplatz, meine Eltern und ich selbst (Jahrgang 1932) jedenfalls nicht.
Foto: © Hofer, Innsbruck

Dr. Hannes Androsch

ehemaliger Bundesminister für Finanzen und Vizekanzler, Industrieller

Um die Gegenwart zu begreifen und die Zukunft wirkungsvoll gestalten zu können, muss man über die Vergangenheit Bescheid wissen. Ein Haus über die wechselvolle Geschichte unseres Landes, das Verständnis und Bewusstsein über deren Verlauf vermittelt, ist dafür ein wichtiger Beitrag.
Foto: © Peter Rigaud

Prof. Dr. Dr. h. c. Aleida Assmann

Kulturwissenschaftlerin

Mit seinem geplanten Standort in der Neuen Burg, in den Räumen der Österreichischen Nationalbibliothek, füllt das HGÖ eine Lücke und verändert die symbolische Topographie der Stadt Wien. Das symbolische Zentrum des Heldenplatzes wird bislang von der Museumsachse dominiert. Die Touristengruppen von der Innenstadt kommend werden in die Wiener Hofburg durch die Hofreitschule und das Sissi-Museum geleitet und gelangen von dort weiter geradeaus in die Museumsmeile.

Diese Achse wird in Zukunft durch eine Geschichtsachse gekreuzt, die die neue Hofburg aus ihrer optischen Randständigkeit herausholt, und über den historisch wichtigen Balkon in Beziehung setzt zu den Landmarks aktueller Politik wie Parlament, Rathaus und Regierungssitz. Damit wird dem Heldenplatz eine geschichtliche und politische Dimension zurückgegeben. Die Bewohner der Stadt sowie die Touristen haben Gelegenheit, sich nicht nur an beliebten Mythen, Traditionen und Folklore zu erfreuen, sondern können sich nun auch über die Geschichte des Landes informieren und mit aktuellen Themen auseinandersetzen.

Es besteht jetzt die einmalige Chance, diesen historischen Ort, der bisher verschlossen und stumm geblieben ist, zu „besetzen“ und zu einem offenen Forum des Lernens, des Entdeckens, der Auseinandersetzung und der Selbstthematisierung aller Generationen, Bundesländer und Parteien zu machen. Das HGÖ könnte damit eine lange Phase der Geschichtsapathie überwinden. Ein solches Haus ist heute wichtiger denn je, wo die österreichische Geschichte zum Spielball interner Parteipolitik zu werden droht.
Foto: © Jespah-Holthof

Dr. Gerald Bast

Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien

Das Haus der Geschichte Österreich soll und muss endlich in Betrieb gehen, obwohl es ein riskantes Unterfangen ist: Ein Haus, das die Geschichte Österreich nach dem bewährten Primat des politischen Kompromisses präsentiert, ideologisch glattgebürstet und neutralisiert, befreit von allen Widersprüchen und schmerzhaften Bruchlinien wäre ökonomisch wie politisch eine krasse Fehlinvestition.
Das Haus der Geschichte Österreich soll und muss endlich in Betrieb gehen, weil es ein riskantes Unterfangen ist: Wenn Geschichte für die Gestaltung der Zukunft produktiv werden soll, dann bedarf es der offenen, diskursiven Auseinandersetzung mit dem Risiko der Veränderung vorgefasster oder tradierter Positionen. Erkenntnisprozesse sind per se Risikoprozesse, weil sie Elemente des Neuen, des Unerwarteten und auch der Ambiguität in sich bergen; gerade deshalb sind sie unverzichtbar für eine lebendige Gesellschaft.
Das Haus der Geschichte Österreich darf keine historistische Komfortzone werden. Das Haus der Geschichte Österreich muss ein Ort der sozio-kulturellen Analyse, der konstruktiven Kontroverse und der Suche nach den Wirkungsmechanismen der Geschichte werden, damit es zu einer solide Basis für die Arbeit an der Zukunft des Gesellschaft und unseres Staates werden kann.

Trautl Brandstaller

Journalistin, Schriftstellerin und Fernsehredakteurin

In Zeiten der Globalisierung wäre es ein Fehler anzunehmen, dass sich historische, politische und kulturelle Traditionen nationalstaatlicher Art generell auflösen.
Das Gegenteil ist notwendig :Weltoffenheit geht nur Hand in Hand mit nationaler Selbstvergewisserung.
Deshalb braucht Österreich heute mehr denn je und mehr denn manches andere Land ein Haus der Geschichte. Denn die Geschichte Österreichs weist mehr Brüche und Widersprüche auf als manches andere europäische Land , sie ist aber auch tiefer als die Geschichte anderer Länder am Entstehungs- und Entwicklungsprozess Europas beteiligt.
Die hellen und die dunklen Seiten der österreichischen Geschichte aufzuzeigen, muss die Funktion eines solchen Hauses sein. Nur wer weiss, woher er kommt, kann wissen und entscheiden, wohin die Zukunft führt.
Deshalb muss ein Haus der Geschichte notwendigerweise ein Forum der Diskussion und des Dialogs sein und damit zur Weiterentwicklung der Demokratie beitragen.

Karin Bergmann

Direktorin des Wiener Burgtheaters

Geschichte wird in Museen meistens mit Hilfe von Objekten erzählt. Ich begrüße das Haus der Geschichte und sehe es als einen lebendigen Ort der Begegnung, an dem historische, gesellschaftliche und kulturelle Identität aus der Kraft der Gegenwart und aus verschiedenen Perspektiven öffentlich diskutiert wird. Ein Diskurs über die geschichtlichen Prozesse, die Menschen in Österreich nachhaltig geprägt haben, könnte neue, aufschlussreiche Impulse für die Zukunft bringen.
Foto: © Burgtheater, Reinhard Werner

Karl Blecha

Bundesminister a.D., ehem. Präsident des Pensionistenverbandes Österreichs (PVÖ), ehem. Präsident des Österreichischen Seniorenrates (ÖSR)

„Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler.“ Weise Worte, vor langer Zeit gesprochen von der unvergleichlichen Ingeborg Bachmann. Worte, die die Relevanz des Hauses der Geschichte nicht treffender auf den Punkt bringen könnten. Wir müssen die Vergangenheit kennen, um die Gegenwart zu verstehen und die Zukunft konstruktiv gestalten zu können. Dazu braucht es einen Ort, an dem Geschichte kritisch diskutiert und wissenschaftlich fundiert beleuchtet wird. Das neue Haus der Geschichte soll das Zentrum dieses Diskurses sein. Ein Ort, an dem die ideologischen Scheuklappen fallen und eine offene, sachliche und kritische Auseinandersetzung mit allen Facetten der Geschichte unseres Landes – den hellen, aber auch den dunklen Kapiteln – erfolgen kann. Das Haus der Geschichte wird ein Ort der Begegnung sein, ein „Tauschforum“ für Ideen und Zukunftsvisionen, ein Dialogzentrum, wo nach Antworten auf die großen gesellschaftspolitischen Fragen der Gegenwart und Zukunft gesucht wird. Es soll aber auch Jugendlichen, Kindern und kommenden Generationen die Geschichte Österreichs vermitteln. Vergangenes darf nicht vergessen werden, scheinbare historische „Fakten“ müssen immer wieder einer wissenschaftlichen Überprüfung unterzogen werden, damit sich die tatsächliche Wahrheit irgendwann offenbart. Das Haus der Geschichte soll seine Besucherinnen und Besucher animieren, noch aufmerksamer und kritischer zu werden. Die Auseinandersetzung mit dem Vergangenen soll mithelfen, die richtigen Lehren für die Gegenwart und Zukunft zu ziehen.

Dr. Brigitte Bierlein

Präsidentin des Verfassungsgerichtshofes

Es ist mehr als wertvoll, dass Österreich in einem „Haus der Geschichte“ seine jüngere historische Entwicklung, seine spezifischen, durch Diskontinuität oder Kontinuität geprägten Charakteristika wissenschaftlich und dennoch verständlich darstellt.
Das „Haus der Geschichte“ soll aber keinesfalls nur Symbol des Rückblicks und der Rückbesinnung sein, sondern darüber hinaus Impulse für den demokratischen Diskurs setzen und vor allem der jungen Generation Mut geben, die Zukunft Österreichs zu gestalten, indem grundsätzliche Perspektiven sichtbar gemacht werden, die für die künftige Entwicklung Österreichs in Europa und in der Welt von Bedeutung sind. Gerade in einer Zeit, in der die Gesellschaft mit Emotionen und Radikalismen konfrontiert ist, soll eine solche Institution ein wesentliches Merkmal für die politische Kultur sein, eine Mahnung für neue Wege eines österreichischen Selbstverständnisses. Bei der Gestaltung des innovativen Hauses sollte auch die Stimme der Zivilgesellschaft Berücksichtigung finden, soll es doch eine Einrichtung werden, die das Bewusstsein aller für demokratische Werte in Österreich stärkt.
Möge die Umsetzung des Projekts, das bei Professor Rathkolb und seinem Team in hervorragenden Händen liegt, unter Einbindung der Österreichischen Nationalbibliothek bestens gelingen!

Em. O. Univ.-Prof. Dr. Gerhard Botz

Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien

Seit den 1990er Jahren hat sich weithin eine verstärkte Konjunktur von Musealisierung und Gedenken zu manifestieren begonnen. Darin mag man ein Brüchig-Werden von alten Selbstverständnissen auf nationalen und übernationalen Ebenen, Versuche zu einer weiteren europäischen „Integration“ oder Manifestierungen neuer Nationalismen erkennen. Das „Haus der Geschichte“ in Wien wird sich damit auseinander setzen, jedoch kann seine Lokalisierung in der spätgründerzeitlichen Neuen Burg an einem geschichtssymbolisch massiv aufgeladenen imperialen Ort eine riskante Vorgabe darstellen.
Dagegen bietet es sich an, auf mittlerer Sicht einen den neuen „Inhalten“ des Museums gerechter werdenden Neubau auf dem noch freien Platz südwestlich des Äußeren Burgtors („Heldentors“) zu errichten und den von Klischees der Diktaturen des 20. Jahrhunderts belasteten „Heldenplatz“ in „PLATZ DER REPUBLIK“ umzubenennen.
Foto:© Aurel Botz

Prof. Arik Brauer

Maler, Grafiker, Bühnenbildner, Sänger und Dichter

Das Aufarbeiten der eigenen Geschichte mit all ihren Irrwegen und Verbrechen wird oft als „Nestbeschmutzung“ und Beschädigung der nationalen Würde empfunden. Es ist jedoch ein Irrtum zu glauben, dass unter dem Teppich gekehrte Ereignisse einfach verschwinden und vergessen werden können. Die Nationen kennen besonders gut alle negativen Taten der Nachbarvölker, geben dieses Wissen von Generation zu Generation weiter und weisen bei jeder passenden oder auch unpassenden Gelegenheit darauf hin. Das genaue und selbstkritische Aufarbeiten der eigenen Geschichte wird vom sogenannten „Rest der Welt“ als durchaus mutig und ehrlich gewertet. Eine gute und aktive Darstellung im Rahmen eines „Hauses der Geschichte“ wird uns nicht schaden, sondern internationale Hochachtung einbringen und auch beispielgebend wirken.
Foto: © Luettichau

Hon.-Prof. Dr. Michael Bünker

Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich, Vorsitzender des Evangelischen Oberkirchenrates A.u.H.B. in Österreich

Das „Haus der Geschichte“ wird dringend gebraucht. Österreichs Umgang mit seiner Geschichte war weithin geprägt von Verdrängen oder Verklären. Aber Vergangenheit ist nie abgeschlossen. Diese Einsicht hält die jüdische und christliche Tradition lebendig, in der „Erinnern“ und „Gedenken“ zentrale Anliegen sind. Keine rückwärtsgewandte Vergangenheitsverklärung oder museale Vergangenheitsentsorgung, sondern ein kritisches Sichten des Weges, immer neue Ausrichtung in den Herausforderungen der Gegenwart und Orientierung für die Zukunft. Das braucht die Gesellschaft als Ganze, insbesondere unter den heutigen Bedingungen der Globalisierung und Pluralisierung. Daher freut es mich, dass das „Haus der Geschichte“ realisiert wird. Es wird an einem bedeutungsvollen Ort ein Museum sein, das wissenschaftlichen Standards entspricht, und zugleich mehr als das. Nämlich ein Diskussionsforum, wo historische Fragestellungen ebenso Platz haben wie die Herausforderungen der Gegenwart. Damit leistet das „Haus der Geschichte“ einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung Österreichs und seiner demokratischen Werte.
Foto: © M. Uschmann

Dr. Erhard Busek

Vorstand des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa

Allein schon die lange Diskussion über das „Haus der Geschichte Österreich“ macht es notwendig, bald zu einem Ende zu kommen. Es ist zweifellos auch notwendig, eine solche kulturpolitische Aktivität zu setzen, denn Österreich hat in Wien außer dem Museumsquartier in der Zweiten Republik eigentlich keine nennenswerte institutionelle Aktivität im Bereich der Kulturpolitik gesetzt.

So sehr ich die Beteiligung der Österreichischen Nationalbibliothek begrüße, wäre es dennoch zweckmäßig, ein eigenes Gebäude zu schaffen. Seit langer Zeit gibt es den Gedanken, das auf der Donauplatte zu tun, die seinerzeit für die Weltausstellung Wien-Budapest geschaffen wurde. Ich fürchte, dass das Ambiente der Hofburg eigentlich nicht geeignet ist und vor allem auch rein atmosphärisch keine moderne Perspektive eröffnet. Es wäre allerdings zweckmäßig, das besonders in den Vordergrund zu stellen, denn ein solches Haus der Geschichte muss der Zukunft dienen.

Barbara Coudenhove-Kalergi

Journalistin

Ja, wir brauchen ein Haus der Geschichte. Eine Gesellschaft und insbesondere die österreichische mit ihrer gemischten Zusammensetzung und ihrer von vielerlei Brüchen gekennzeichneten Geschichte muss sich die Frage stellen: Wer sind wir? Woher kommen wir? Wie sind wir geworden, was wir sind? – darauf kann und soll ein Haus der Geschichte eine differenzierte und einleuchtende Antwort geben.

Oskar Deutsch

Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien

Die Idee des „Haus der Geschichte Österreich“ soll eine intensive Auseinandersetzung mit der Geschichte Österreichs, mit Schwerpunkt ab 1918, gerade am geschichtsträchtigen Ort des Heldenplatzes ermöglichen. Zu lange ist über manche Jahre dieser Periode geschwiegen worden. Dies sollte auch Anlass zu einer umfassenden Neugestaltung der Gedenkstätten an diesem Ort sein, die auch dem heutigen gesellschaftlichen Verständnis entspricht. Nicht umsonst feiern wir erst seit wenigen Jahren dort den 8. Mai als „Tag der Freude“, als Tag der endgültigen Niederlage des Nationalsozialismus.

Dr. Peter Diem

Medienwissenschaftler

Nach dem Willen des Gesetzgebers soll das Haus der Geschichte Österreich „auch ein aktives und offenes Diskussionsforum für zeithistorische Fragestellungen und Themen der Gegenwartsgeschichte sein und ist zu einer objektiven wissenschaftlichen Darstellung geschichtlicher Entwicklungen und Ereignisse verpflichtet.“
Zum Grundsätzlichen haben Kolleginnen und Kollegen schon sehr viel Richtiges und Wichtiges gesagt. Ich möchte das nicht wiederholen. Vielmehr hätte ich gerne ein paar praktische Anmerkungen gemacht:
Neben dem sozialpartnerschaftlich konstruierten Publikumsforum sollte möglichst bald ein privater Verein „Freunde des Hauses der Geschichte Österreich“ unter Mitwirkung prominenter Wirtschaftsreibender gegründet werden. Derartige Vereine haben sich bei anderen Kulturinstitutionen sehr bewährt.
Ich halte es für unabdingbar, zumindest einen kleinen Kinosaal/Videoraum einzurichten, denn erstens gibt es kein besseres Anschauungsmaterial als die vielen Filmdokumentationen seit Beginn des 20. Jahrhunderts, und zweitens wollen sich die Besucher auch einmal ein wenig hinsetzen.
Des Weiteren muss es auch ein Lernforum wie im NS-Dokumentationszentrum München mit einer Austriaca-Freihandbibliothek geben. Diese Bibliothek kann durch Bücherspenden seitens der Vereinsmitglieder ohne Mühe eingerichtet und durch Freiwillige administriert werden. Dagegen möge bitte nicht eingewendet werden, dass es „eh daneben die Nationalbibliothek gibt“.

Dr. Steven Engelsman

ehem. Direktor Weltmuseum Wien

Zwischen Weltmuseum Wien und Haus der Geschichte sehe ich viele inhaltliche Überschneidungen. Und damit ein großes Potential für zukünftige Kooperationen. Uns beiden geht es um ein besseres Verständnis unserer Geschichte und unserer Kultur.

Was aber bedeutet „unser“, in einer Metropole wo 40% der Einwohner einen Migrationshintergrund haben, nicht hier geboren sind, hier für kurze oder längere Zeit sich angesiedelt haben? Da gehört zu unserer Geschichte auch die Geschichte von Österreichs Beziehungen zur ganzen weiten Welt. Und gehören zu unserer Kultur auch die Kulturen die in den Sammlungen des Weltmuseums Wien dokumentiert und vertreten sind. Das haben wir gemeinsam: es geht uns um Menschen, deren Geschichte und deren Kulturen. In Wien, in Österreich und in der ganzen weiten Welt.

Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Dr. h.c Heinz W. Engl

Rektor der Universität Wien

Kritisch beleuchten – wissenschaftlich fundiert
Das Haus der Geschichte will es sich zur Aufgabe machen, die österreichische Geschichte kritisch zu beleuchten. Die Universität Wien mit ihrer historisch-kulturwissenschaftlichen Fakultät, die sich in Forschung und Lehre allen Epochen widmet, freut sich wenn, auf ihre Expertise in vielfältiger Weise zurückgegriffen wird. Gerade im Zusammenhang mit der internationalen, europäischen Kontextualisierung, ist eine wissenschaftliche Herangehensweise unverzichtbare Grundlage. Die universitäre Schwerpunktsetzung im Bereich der Third-Mission, welche in den nächsten Jahren erfolgen wird, macht es sich insgesamt zum Ziel, Projekte zu realisieren bzw. sich an Projekten zu beteiligen, die die Leistungen der Universität direkt zur Beantwortung von gesellschaftlichen Fragestellungen einbringen. Im Zuge der Umsetzung des Hauses der Geschichte werden Studierende der Geschichtswissenschaften ihre Ideen in das Projekt einbringen können. Dies wird im Laufe der nächsten beiden Studienjahre zur Umsetzung kommen.
Foto: © Universität Wien

Prof. Dr. h.c. Valie Export

Medienkünstlerin, Performancekünstlerin, Filmemacherin

Mit dem „ Haus der Geschichte Österreich “ wird eine sehr wichtige wissenschaftliche Institution als Spiegel der österreichischen Geschichte aufgebaut.
Für mich ist die Intention dieser Institution wichtig, die prägenden, kulturellen, politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen, die Dialoge, die Kontroversen innerhalb dieser vielfältigen Systembereiche zu analysieren, zu präzisieren und darzustellen, die differenten Identitätsbilder, Identitätsbildungen und – vorstellungen in ihrer Vielfältigkeit zu zeigen, zu erforschen und zu vermitteln.
Das „Haus der Geschichte Österreich“, das verankert im Zentrum von Wien seinen Präsentationsort hat, lässt die Vergangenheit zur Gegenwart werden, und bringt die Widersprüche, die Kontroversen, die Errungenschaften der österreichischen Geschichte auf Grund des Forschungsauftrages in das Bewusstsein der Öffentlichkeit, um auch Fragen und Antworten herauszufordern , zu provozieren. Das „Haus der Geschichte Österreich“ trägt auch die Verantwortung die österreichische Geschichte im internationalen historischen und kulturellen Kontext zu dokumentieren.
Foto: © phloxfilms / Christoph Lerch

Dr. Heinz Fischer

Bundespräsident a.D, Koordinator des Gedenkjahres 2018

Dass die Republik Österreich, die knapp vor ihrem 100. Geburtstag steht, noch kein Haus der Geschichte hat, ist traurig und unerfreulich. Dass die Arbeiten an einer solchen Institution in den letzten Jahren in Angriff genommen und mit Nachdruck vorangetrieben werden, ist vor diesem Hintergrund ein echter Lichtblick. Die Finanzierung eines solchen Vorhabens ist in Zeiten der Sparbudgets keine leichte Aufgabe, aber sie ist lösbar und muss gelöst werden.

Geschichte ist das, was bisher geschah. Und besonders die jüngere Geschichte ist von entscheidender Bedeutung für die Gegenwart und für die nähere Zukunft – also für das, was in einigen Jahren und Jahrzehnten Geschichte sein wird.

An der Vergangenheit können wir nichts mehr ändern. An der Zukunft schon. Und was uns hilft auf die Zukunft in vernünftiger und humaner Weise Einfluss zu nehmen ist die Kenntnis der Vergangenheit. Daher bin ich ein „Überzeugungstäter“, wenn ich sage: Wir müssen uns mit der Geschichte beschäftigen. Wir müssen aus der Geschichte lernen. Und wir brauchen ein Haus der Geschichte.

Ich bin zuversichtlich, dass die Zeit, wo die Republik Österreich über kein Haus der Geschichte verfügt, bald der Vergangenheit angehört.

Dr. Franz Fischler

Präsident des Europäischen Forums Alpbach

Ein Haus der Geschichte bietet die historische Chance, einen in Österreich einzigartigen Diskursort über zentrale gesellschaftliche Fragen der Geschichte, Gegenwart und Zukunft zu bieten. Es kann ein Magnet für alle Österreicherinnen und Österreicher genauso sein wie für die Gäste unseres Landes. Intellektuell und sinnlich gut aufbereitete Informationen zu vermitteln, wird zu kritischen Reflexionen anregen. Gerade auf dem zentralen und historisch bedeutsamen Heldenplatz einen Wissens- und Begegnungsraum zu schaffen, ist ein schlüssiges Konzept, um Österreichs Rolle für die demokratische Zukunft Europas auf breiter Basis zu behandeln. Ich unterstütze daher dieses Dialogprojekt.
Foto: © Philipp Naderer

Erich Foglar

Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbundes

Die österreichische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts war geprägt von großen Errungenschaften und furchtbaren Verbrechen. Insbesondere in den letzten hundert Jahren hat Österreich zahlreiche tiefgreifende Veränderungen durchlebt: Von der Monarchie zur Ersten Republik, vom Austrofaschismus und Nationalsozialismus zur Zweiten Republik und Mitgliedschaft in der Europäischen Union. Geschichte ist dazu da, um aus ihr zu lernen und anschließend bessere Entscheidungen in der Gegenwart für eine friedliche Zukunft zu treffen. Das „Haus der Geschichte“ soll den Licht- und Schattenseiten der österreichischen Vergangenheit seit Mitte des 19. Jahrhunderts Raum geben und allen interessierten Mitbürgerinnen und Mitbürgern die Möglichkeit eröffnen, sich kritisch mit der jüngeren Geschichte Österreichs auseinanderzusetzen und ihre Bedeutung für die Gegenwart und Zukunft Österreichs zu verstehen.
Eine bedeutende Rolle in dieser bewegten Vergangenheit hat die österreichische ArbeitnehmerInnen-Bewegung eingenommen. So ist es nicht zuletzt den vielen engagierten Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern aus den unterschiedlichen politischen Richtungen zu verdanken, dass wir im Jahre 2016 eine lebendige Demokratie, einen funktionierenden Sozialstaat und einen hohen gesellschaftlichen Wohlstand haben. Mit dem österreichischen Modell der Sozialpartnerschaft ist es nach 1945 gelungen, wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt im Einklang zu entwickeln und sozialen Frieden zu sichern.
Namens des Österreichischen Gewerkschaftsbundes danke ich Prof. DDr. Oliver Rathkolb und seinem Team, dem internationalen wissenschaftlichen Beirat sowie allen bei der Planung und Umsetzung beteiligten politisch Verantwortlichen ausdrücklich für Ihr Engagement.
Möge das „Haus der Geschichte“ insbesondere für junge Menschen ein Ort der Begegnung und des Lernens und Verstehens sein!
Foto: © ÖGB Mazohl

Dr. Elisabeth Freismuth

Rektorin der Kunstuniversität Graz

Hofburg und Heldenplatz sind Orte, denen Geschichte eingeschrieben ist. Dazu hat sich die Republik zu verhalten. Und eben dazu kann und soll ein Haus der Geschichte seinen Beitrag leisten, wenn es sich aus- und nachdrücklich der Wachsamkeit verpflichtet – und dem kritischen Blick: nicht nur auf die dunkelsten Stellen unserer Vergangenheit, sondern auch auf deren ideologisches Erbe, das in die Gegenwart hineinwirkt.

Vor genau 30 Jahren hat Thomas Bernhard mit seinem „Heldenplatz“ das beredte Schweigen, das diese Orte lange genug umgab, auf die Bühne gestemmt. Der lautstarke Protest aus den Logen findet bis heute Widerhall. Das Haus der Geschichte wird gebraucht – als Bekenntnis zum antifaschistischen Grundkonsens unserer Republik, bevor dieser als vermeintliche „Gesinnungsfrage“ im Abseits der Zeitgeschichte verräumt wird.

Foto: Christian Jungwirth

Mag. Martin Fritz

Kurator und Publizist

Eine Gesellschaft braucht Orte, an denen Auseinandersetzungen über die Vergangenheit ausgetragen werden, um besser über die Zukunft streiten zu können!
Foto: © Maria Ziegelböck

Mag. Dr. h.c. Karl-Markus Gauß

Schriftsteller und Herausgeber der Zeitschrift ″Literatur und Kritik″

Allzu oft wird Österreich nur entweder verklärt oder verdammt. Es kommt aber darauf an, es zu entdecken. Ein solcher Raum, in dem wir uns selbst und unsere Geschichte in ihren Widersprüchen entdecken können, möge das „Haus der Geschichte Österreich“ werden. Zur österreichischen Geschichte gehört die Verstrickung in Verbrechen, die lange geleugnet wurde und über deren Vorgeschichte(n) bis heute noch immer kein Konsens in der Nation besteht.
Zur österreichischen Geschichte gehören für mich aber auch Revolten, die niedergeschlagen wurden, und widerständige Traditionen, die bis heute totgeschwiegen und so um ihre fortwirkende Kraft gebracht werden. Wir brauchen ein Haus der Geschichte, weil die Demokratie kein Himmelsgeschenk ist und die Diktatur kein Naturverhängnis, sondern es von uns abhängt, wofür wir uns aus der Kenntnis unserer Vergangenheit heute und morgen entscheiden.
| Foto: ©Kurt Kaindl

Prof. Rudolf Gelbard

Zeitzeuge

Großartig finde ich als ehemaliger KZ-Häftling, dass im kommenden Haus der Geschichte Österreich klar dargestellt wird, dass ein Drittel der österreichischen Juden und Jüdinnen ermordet wurde und auch sehr viele Roma und Sinti ermordet wurden. Ich hatte einmal eine große Familie, ich habe sie nicht mehr – 19 Mitglieder meiner Familie wurden ermordet. Abschließend möchte ich sagen – nicht alle Opfer waren Juden oder Roma, aber alle Juden und Roma waren Opfer!
Foto: Christian Michelides

Mag. Bettina Glatz-Kremsner

Vorstandsdirektorin Casinos Austria und Österreichische Lotterien

„Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten“, sagte einst der deutsche Politiker August Bebel. Ein Satz, ersonnen vor über 100 Jahren, der bis heute nichts an Wahrheit und Weisheit eingebüßt hat. Wir sollen, ja, wir müssen zurückblicken, um uns unserer Herkunft bewusst zu werden, um zu verstehen, wer wir sind und warum. Das gilt für jeden einzelnen Menschen persönlich ebenso wie für ein Land, zumal eines, das auf eine bewegte Geschichte zurückblickt wie Österreich. Eine Geschichte, die auch viele dunkle Kapitel enthält, die manche, aus unterschiedlichsten Motiven vergessen machen oder uminterpretieren wollen. Damit diese Geschichte lebendig und bewegend bleibt und wir selbst, vor allem aber auch unsere Nachfahren sie wahrnehmen können, muss ihr ein zentraler Platz eingeräumt werden. Das Haus der Geschichte tut genau dies, und dafür sei den Initiatoren herzlich gedankt. Wir unterstützen dieses gesellschaftspolitisch wichtige Anliegen und wünschen dem Haus der Geschichte eine Zukunft, in der es gelingt, die Vergangenheit begreifbar und deren Deutung nicht dem Zufall zu überlassen.

Univ.Prof. DDr. Christoph Grabenwarter

Vizepräsident des Verfassungsgerichtshofes

Wissen um die eigene Vergangenheit ist Voraussetzung für verantwortungsvolles Leben und Engagement in der Demokratie. Auch wenn vieles an Wissen heute aus dem Internet bezogen werden kann, bedarf es gerade für die jüngeren Generationen realer Orte, um dieses Wissen auch erfahrbar zu machen. Von seinem Auftrag her soll das Haus der Geschichte ein solcher zentraler Ort der Geschichtserfahrung sein. Es ist dem Haus der Geschichte Österreichs und seinem Team zu wünschen, dass es diesen Auftrag unter bestmöglichen Rahmenbedingungen erfüllen kann.

Andreas Großbauer

Mitglied der Wiener Philharmoniker

Das Haus der Geschichte Österreich positioniert sich in seiner Grundsatzerklärung als aktives und offenes Diskussionsforum zur österreichischen Geschichte und zu Fragen der Gegenwart. Ein Teilbereich dieser Geschichte wird der österreichischen Kultur gewidmet sein, und über die Geschichte der Wiener und Österreichischen Kultur zu reflektieren, heißt auch die Geschichte der Wiener Philharmoniker mit zu bedenken.
Die Gründung unseres Orchesters 1842 legte den Grundstein für die Doppelheit des organisatorischen wie künstlerischen Selbstverständnisses. Sie schuf das Modell eines Orchesters, das auf demokratischer Selbstbestimmung und unternehmerischer Eigenverantwortlichkeit beruht und auch im Dienste eines mehrheitlich vom Staat getragenen Opernhauses steht. Zu dem gesellte sich der hohe künstlerische Anspruch des Orchesters, wie es einer der Gründerväter, Otto Nicolai, zum Ausdruck brachte: „mit den besten Kräften, das Beste auf die beste Weise zur Aufführung zu bringen“. Diese beiden Zielvorgaben sind die Voraussetzung, dass die Wiener Philharmoniker im Kulturleben des Landes und weit darüber hinaus bis heute eine bedeutende Rolle spielen.
Durch die exponierte Stellung in der Öffentlichkeit und als „kulturelles Aushängeschild“ des offiziellen Österreich war das Orchester gerade in den Zeiten politischer und gesellschaftlicher Umbrüche in besonderer Weise involviert. Nach Zeiten der katastrophalen und menschenverachtenden Einwirkung von Kriegsereignissen und autoritären Regimen wie des Nationalsozialismus auf das Orchester und seine Mitglieder kam es zu einer Neubesinnung und zu Neupositionierungen. Diesen Weg kritisch zu reflektieren und neue Sichtweisen für die zukünftige kulturelle Tätigkeit zu entwickeln, ist ein zentrales Anliegen des Orchesters. Durch die Errichtung des Hauses der Geschichte Österreich wird ein längst fälliger Dialog eröffnet, der eine profunde historisch-kritische Durchleuchtung der Geschichte der kulturellen Institution im Einzelnen und der österreichischen Kulturtradition im Ganzen ermöglicht. Dieser Dialog ist ein notwendiger und unverzichtbarer Beitrag zur Definition der Rolle der Kunst in einer demokratischen und weltoffenen Gesellschaft.
Foto: © Martin Kubik

Univ.-Prof. Dr. Sylvia Hahn

Vizerektorin für Internationale Beziehungen und Kommunikation, Universität Salzburg

Eine demokratische Gesellschaft, die ihre eigene Geschichte ignoriert und sich nicht damit auseinandersetzt, läuft Gefahr, diese wichtige Errungenschaft aufs Spiel zu setzen. Denn das Wissen über die eigene Vergangenheit ist ein essentieller Bestandteil um politische Entwicklungen und Dynamiken verstehen und die Stabilität der Demokratie sichern zu können. Es ist dringend notwendig, die Geschichte Österreichs mit allen ihren Höhen und Tiefen, mit ihrer breiten kulturellen und gesellschaftlichen historischen Vielfalt und ohne jegliche Mythenbildungen in einem Museum darzustellen. Dieser Ort kann und soll ein Integrationsort für alle in diesem Land lebenden Menschen ohne Unterschied ihrer sozialen und regionalen Herkunft sein. Daher ist ein Haus der Geschichte für Österreich eine wichtige und wertvolle Investition in die Zukunft unseres Landes.

Elfriede Hammerl

Journalistin und Schriftstellerin

Die Kenntnis der neueren österreichischen Geschichte ist hierzulande immer noch unterentwickelt. Nach wie vor mogelt sich das öffentliche Bewusstsein über kritische Perioden hinweg, blendet aus, was schon in den Familien ungern besprochen wurde, und beruft sich in puncto nationale Identität auf unverfängliche Ahnen wie Walzerkönige und Schifahrerlegenden. In letzter Zeit kommt zur Unwissenheit eine gezielte Abwertung demokratischer Errungenschaften und Erfordernisse durch radikale rechte Kräfte. Aufklärungsarbeit ist dringend notwendig. Ich hoffe sehr, dass es dem „Haus der Geschichte“ gelingt, einer breiteren Öffentlichkeit, vor allem vielen jungen Menschen, historische Zusammenhänge begreiflich zu machen und zur Festigung von Demokratie und Rechtsstaat beizutragen.
Foto: © Inge Prader

Petra Hartlieb

Inhaberin Hartliebs Bücher

Als ich Kind war, war ich von der Erzählungen meiner Oma gefesselt: Vom Krieg, den Bomben, den Hamsterfahrten ins Mühlviertel, aber auch, dass unterm Hitler schon alles ordentlicher war und vor allem hatte jeder Arbeit .
Auch von den Geschichten der anderen Oma, wie sie mit dem Baby vor den Russen geflohen ist und dass mein Opa, den ich nie gekannt habe, es immer schon gewusst hat, und ein Illegaler war.
Und als Studentin war ich das erste Mal in Auschwitz , und sie erzählten sie uns die Geschichte, von Österreich als erstes Opfer der Nationalsozialisten. Und ich habe nicht in den 70er Jahren studiert.
Dass meine Kinder mehr über diese Zeit wissen, ist letztendlich der Literatur, der Filmproduktion und engagierten LehrerInnen zu verdanken und obwohl meine Tochter Museen liebt und stundenlang darin verbringen kann, gab es bisher keines, in dem sie die Geschichte des letzten Jahrhunderts erleben konnte. Man kann sich alte Tonscherben, viel Kunst, Sisi und Schönbrunn und spannende Ausstellungen, wie etwa die im Wien Museum anschauen, doch wer sich wirklich mit der wechselvollen und nicht immer ruhmreichen Geschichte unseres Landes fernab vom Operettenkitsch beschäftigen will, hatte bis jetzt keine wirkliche Anlaufstelle. Das ändert sich hoffentlich mit dem Haus der Geschichte.

Univ.-Prof. Dr. Edeltraud Hanappi-Egger

Rektorin Wirtschaftsuniversität Wien

In der Gegenwart aus dem Wissen der eigenen jüngsten Vergangenheit Erkenntnisse für die Zukunft zu gewinnen, ist die Voraussetzung, um diese positiv zu gestalten. Dabei ist es trotz oder vielleicht gerade wegen der unüberschaubaren Informationsmengen im Internet notwendig, verschiedene geschichtliche Kontexte professionell aufzuarbeiten und zusammenzuführen. Neue, zeitgerechte Formen der Wissensvermittlung, Zugang zu einem Ort der kritischen Reflexion und regen Austausch – all das bietet das Haus der Geschichte.
Foto: © Klaus Vyhnalek

Xenia Hausner

Malerin

Künstler nehmen seit je ihre Gegenwart sinnlich unmittelbar wahr und legen damit Zeitzeugenschaft ab. Großen Künstlern gelingt es immer wieder, obwohl sie präzise Diagnosen der Verkommenheit ihrer Zeit in deprimierenden Momentaufnahmen liefern, dennoch mit ihrem Werk, allein schon dadurch, weil es widersinnig entstanden ist, der Resignation zu widersprechen. Dieses tröstende Paradox ist in den Museen zu besichtigen – wir lernen, dass die ultima ratio der Vernunft nicht die Guillotine sein darf, sondern das Kunstwerk und das Bürgerliche Gesetzbuch.

André Heller

Künstler

Österreich, ein Land in dem allzu viele notorisch unfähig oder unwillig sind Lehren aus unserer bitteren Geschichte zu ziehen, braucht aus politischen und sozialen Hygienegründen einen wissenschaftlich fundierten, faszinierenden Ort für Menschen aller Alters- und Ausbildungsgrade, an dem geschichtliche Entwicklungen, deren logische Zusammenhänge, Ursachen und Folgen, so nachvollzogen werden können, dass sich Besucher aus eklatanten Selbstbeschädigungsdenken und Unsinns- Haltungen verabschieden können.
Foto: © Suzy Stöckl

Prof. Dr. Clemens Hellsberg

Violinist, ehemaliger Vorstand der Wiener Philharmoniker

In einer Gesellschaft, die in erschreckend zunehmendem Maße Ausbildung mit Bildung verwechselt, kann nicht genug für die umfassende Kenntnis von Geschichte getan werden, eröffnet doch die auf ihr basierende Erkenntnis von historischen Zusammenhängen die Möglichkeit, Fehlentwicklungen rechtzeitig zu begegnen und dadurch Menschheitskatastrophen zu vermeiden. Wer seine Geschichte nicht kennt, hat keine Zukunft: Ich vertraue darauf, dass das Team um Oliver Rathkolb mit dem „Haus der Geschichte“ diesem zutiefst moralischen Anspruch, den kommende Generationen uns gegenüber haben, gerecht wird!
Foto: © Terry Linke

Miguel Herz-Kestranek

Schauspieler und Autor

Der, wenn auch noch bescheidene Anfang ist gemacht, die Hoffnung aufrecht zu halten, dass dieses Land, immer wieder herumstolpernd zwischen A.E.I.O.U, Glaubt an dieses Österreich! und Pummerin statt Muezzin! zum aufrechten Gang findet: aus der Geschichte in die Geschichte.

Foto: www.guentheregger.at

Generaldirektor Ing. Wolfgang Hesoun

Vorstandsvorsitzender Siemens AG Österreich

Ereignisse der Vergangenheit bestimmen die Gegenwart – oftmals sogar über Jahrhunderte hinweg. Gerade in der Zeiten der Globalisierung und der multikulturellen Gesellschaft kommt der Kenntnis der geschichtlichen Umstände und Prägungen des eigenen Landes, aber auch fremder Völker eine immer größere Bedeutung zu. Die Realisierung des „Hauses der Geschichte Österreich“ birgt die Chance einer zeitgemäßen, kritisch-reflektierenden Darstellung der neueren Geschichte Österreichs. Gleichzeitig bietet es aber auch die Gelegenheit, die Situation unseres Landes aus globaler Perspektive aktuell zu bewerten. Österreich braucht einen Ort der Bildung und des lebendigen Gedankenaustausches, der auch einen möglichst breiten Ausschnitt von Wissenschaftsdisziplinen, Bevölkerungsschichten und Generationen einbezieht. Ich wünsche den Initiatoren und dem Beirat viel Erfolg in der Umsetzung dieses Projektes und sehe schon jetzt der Eröffnung des „Hauses der Geschichte Österreich“ mit großer Freude entgegen.

Prof. Dr. Hans-Martin Hinz

2010-2016 Präsident des Weltmuseumsverbandes ICOM (International Council of Museums)

Zur Errichtung eines Hauses der Geschichte der Republik Österreich darf man Regierung, Parlament, Museumsexperten und Historiker herzlich gratulieren. Was lange währt wird gut!
Angebote zu unterbreiten, sich seiner Vergangenheit gerade 100 Jahre nach der Errichtung der Republik zu vergewissern, stellt eine große Herausforderung dar. Anders als es die Nationalmuseen des 19. Jahrhunderts getan haben, wird in modernen Geschichtsmuseen heute die Vergangenheit nicht mehr als Goldenes Zeitalter vermittelt, sondern Multiperspektivität macht den Besuchern deutlich, dass es nicht nur ein Geschichtsbild gibt. Die Menschen möchten unterschiedliche Sichtweisen erfahren, um andere Standpunkt kennenzulernen, zu vergleichen und sich ein eigenes Urteil bilden. In vielen Ländern hat sich diese Konzeption als Erfolg erwiesen, die Besucherzahlen belegen es. In Österreich wird es ebenso gelingen.
Die Internationalisierung des Alltagslebens und die Globalisierung der Märkte sowie der Kommunikation wird es erforderlich machen, neben der innenpolitischen Entwicklung des Landes auch Österreichs internationale Rolle im Haus der Geschichte herauszustellen, damit die Sicht der Anderen in Geschichte und Gegenwart deutlich wird, was das Verständnis für historische Prozesse und künftige gesellschaftliche und politische, eben auch internationale Entwicklungen stärken wird.
Foto: © Thomas Bruns

Prof. Herwig Hösele

Generalsekretär des Zukunftsfonds der Republik Österreich

Sehr freue ich mich, dass die „unendliche Geschichte“ des „Hauses der Geschichte“ nun doch ein gutes Ergebnis bringen kann. Ich halte den geschichtsaufgeladenen Ort Heldenplatz für eine gute Wahl genauso wie die Anbindung an die von Generaldirektorin Rachinger exzellent geführte Nationalbibliothek. Nicht ganz glücklich bin ich mit dem Begriff „Haus der Geschichte“, „Haus der Zeitgeschichte“ oder „Haus der Republik“ wäre mir lieber. Jedenfalls wünsche ich mir, dass differenzierte Präsentationen ohne platte Instrumentalisierung (und ich gehe davon aus, dass Oliver Rathkolb und die renommierten nationalen und internationalen ExpertInnen dafür bürgen) viele Denkanstöße für möglichst viele vor allem junge Menschen geben werden.
Foto: © Parlamentsdirektion

Dr. Peter Huemer

Journalist und Historiker

Soll das Geschichtsmuseum der Zukunft ein realer Ort sein mit realen Objekten, oder soll es virtuell sein, ein ständig auf den neuesten Stand gebrachtes Informationssystem im Netz? Das war Diskussion im Institut für Zeitgeschichte und es ist erfreulich, dass die Entscheidung für den realen Ort gefallen ist. Menschen wollen Geschichte „begreifen“ – auch wenn Glasscheiben dazwischen sind.

Zum Standort: einiges spricht dafür, einiges dagegen. Aber irgendwann musste entschieden werden. An den Gestaltern des Museums liegt es nun, uns zu überzeugen, dass die Entscheidung für diesen Ort richtig war.

Hoffnung macht, dass das „Haus der Geschichte Österreich“ sich nicht als Museum verstehen will – obwohl es das auch sein wird und sein muss -, sondern als Ort des Dialogs, der Auseinandersetzung, des Streits. Zu streiten wird es genügend geben, wiewohl unser historisches Gedächtnis seit dem Streit um Waldheim einen Sprung nach vorn gemacht hat.

Und zuletzt: Österreich ist eine junge Nation. Das Nation Building fand in den Jahrzehnten nach 1945 statt. Das erhöht die Gefahr des Chauvinismus: „Österreich den Österreichern“, „Daham statt Islam“ und ähnliches. Dem Haus der Geschichte Österreich wird gegen diesen Schmutz eine große aufklärende Bedeutung zukommen. In diesem Sinne die besten Wünsche!

Prof. Dr. Hans Walter Hütter

Präsident der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bonn

Mit dem Haus der Geschichte Österreich entsteht jetzt im Zentrum Wiens ein Ort der kritischen Auseinandersetzung mit der jüngeren Geschichte des Landes.
Foto © Barbara Frommann

Univ.-Prof. Dr. Clemens Jabloner

Professor für Rechtstheorie Universität Wien, Präsident des österreichischen Verwaltungsgerichtshof i.R

Die österreichische Verfassungsgeschichte ist von wiederholten Diskontinuitäten geprägt. Mehr noch, die jeweils neuen Verfassungen kamen kaum je vor der Aussicht auf eine nun herankommende freudig begrüßte Zukunft, sondern stets vor den Ruinen real und ideell zusammengebrochener Reiche zustande: So 1804 die Entstehung des Kaisertums Österreich angesichts des Verfalls des Hl. Römischen Reichs und der Selbsterhebung Napoleons zum Kaiser der Franzosen, so 1867 die Dezember-Verfassung vor dem Hintergrund von Königgrätz, so die Bundesverfassung von 1918/1920 nach dem Zusammenbruch der Monarchie und schließlich 1945 die Unabhängigkeitserklärung nach der Katastrophe des Nationalsozialismus. Im Kontrast zu den jeweils negativen Anlässen steht freilich, dass die so entstandenen Verfassungen legistisch klug gefertigt und durchaus zukunftsgerichtet waren: Denken wir an die Befestigung der Staatlichkeit Österreichs, an die Dezember-Verfassung mit den Grundrechten und rechtsstaatlichen Garantien, an die innovative republikanische Verfassung – und schließlich an die kluge Entscheidung, es 1945 nicht auf eine Verfassungsdiskussion ankommen zu lassen.

Als Jurist erhoffe ich vom „Haus der Geschichte Österreich“, dessen Gründung ich sehr begrüße, dass auch die verfassungshistorischen Zusammenhänge – dem Museumskonzept entsprechend – aufbereitet werden. Zweifellos wird dies bestens gelingen.

Prof. Dr. Eric Kandel

Neurowissenschafter, Nobelpreisträger

It is with great enthusiasm and a full appreciation of its importance that I join the efforts to establish a House of Austrian History with a special emphasis on the Hitler period and its amnestic consequences for Austrian consciousness in the several decades after the end of World War II. I am all the more pleased that the future museum will include the terrace facing the Heldenplatz where Adolf Hitler declared the „Anschluss“ in 1938.

I was in Vienna on March 13th when Hitler came into Vienna, and my brother and I heard on our shortwave radio the enormous enthusiasm with which Hitler was received by the more than 200,000 cheering Viennese. I share the view that the museum should reopen this terrace and turn it into a place of critical remembrance of Austria’s role in the Holocaust and of the contribution that the Austrian Jewish community has made historically to Austria’s medical, scientific and cultural achievements.

Let me simply put the recent history of the Austrian Amnesia into a bit of a historical perspective. As we all remember, from the end of the war in 1945 until July 8, 1991, Austria considered itself Hitler’s first victim. Since then four events have occurred that have gradually brought a realistic perspective to modern Austrian history.

First, on July 8, 1991, Franz Vranitzky, the chancellor of Austria, addressed Parliament and for the first time acknowledged a share of the responsibility, not simply by Austria as a State but by the citizens of Austria, for their role in World War II and the Holocaust. This departed officially, for the first time, from the portrayal of Austria as Hitler’s first victim.

Second, in April 2006, Heinz Fischer, the President of Austria, became the country’s first Head of State to admit that a large number of Austrians actually welcomed Adolf Hitler with open arms when the dictator annexed the country. Heinz Fischer said a „not inconsiderable portion of the population greeted the Anschluss in 1938 with euphoria.“ Heinz Fischer further pointed out that the Declaration of Independence of 1955 covered these events and tried to establish a picture, which unfortunately is still accepted by many, that Austria was a victim, and played no role in the Holocaust. As Fischer pointed out, „I find the version of history which it presents very problematic. It is full of clichés that for decades stood in the way of an honest appraisal of what happened in Austria and why it happened.“ Heinz Fischer, whom I greatly admire, also regretted that Austria had not reached out at the end of the war to Jews who had fled because of the Anschluss. About 65,000 Austrian Jews were deported and murdered and an equal number, if not more, fled to escape from Austria.

Third, in September 2012, as a result of an effort by the University of Vienna, led importantly by Oliver Rathkolb, the name of the Lueger Ring was changed to University Ring. Hitler had written in Mein Kampf that he had learned more from Lueger’s anti-semitic rhetoric on how to run an election campaign than from anyone else.

Fourth, the current effort, which will prove the most important effort of all, is your attempt to establish a House of Austrian History. We will now be in a position to recall that period with integrity and to bring Austria’s past history in line with truth and in preparation for an honest future filled with a sense of moral obligation to Jews, Gypsies, and to other minorities that were persecuted.

I would hope that this museum would not only recognize the contribution of the Jewish Community to Austria’s cultural life, but also encourage some Jews to possibly settle in Austria once again. In March 1938, Vienna had 200,000 Jews. Now it has about 10,000. I would hope that an honest confrontation with the past would encourage some Jews to consider settling in Austria.

This new museum will not only provide a crucial re-evaluation of Austria’s role in World War II, but it will also be a very important step revitalizing the Jewish Community. I support the House of Austrian History with enormous enthusiasm.
Foto: © ORF/Ali Schafler

Ing. Norbert Kapeller

Generalsekretär des Verbands der deutschen altösterreichischen Landsmannschaften in Österreich (VLÖ)

Ich bin überzeugt, dass das Haus der Geschichte eine gute und notwendige Einrichtung für die Republik darstellen wird. Viele Ausstellungen und Museen beschäftigen sich mit historischen Ereignissen, die Jahrhunderte zurückliegen. So ist es nur recht, dass ein solches Haus vor allem die jüngere – auf uns noch immer stark wirkende – Geschichte des 20. Jahrhunderts darstellt.
Die Geschichte Österreichs ist auch die Geschichte der Heimatvertriebenen aus den Gebieten der ehemaligen Donaumonarchie und so freut es uns, dass das Haus der Geschichte auch „unseren“ Volksgruppen Aufmerksamkeit schenken und die dramatischen Ereignisse der unmittelbaren Nachkriegszeit thematisieren wird.

Als Generalsekretär des Verbandes der deutschen altösterreichischen Landsmannschaften (VLÖ) sehe ich hier die Möglichkeit, dass auch „unser“ Teil der Zeitgeschichte endlich Eingang in das öffentliche historische Bewusstsein finden kann. Ich bedanke mich daher ausdrücklich bei Univ.-Prof. DDr. Oliver Rathkolb.

Arsenios Kardamakis

Metropolit von Austria, Vorsitzender der orthodoxen Bischofskonferenz

In Zeiten großer internationaler Herausforderungen hilft uns das Reflektieren über die eigene Geschichte und Gegenwart, uns in einer globalisierten Welt zu verorten. Wir lernen aus den Fehlern der Vergangenheit, sehen die Zeichen der Gegenwart und formulieren die Aufgaben der Zukunft. Europa, das aus christlichen Wurzeln erwachsen ist, benötigt mehr denn je einen Diskurs über seine Werte. Aus diesem Grunde ist jede Initiative offenherzig willkommen, die den Menschen des 21. Jahrhunderts eine Hilfe bei der Suche nach sinnvollen und sinnhaften Antworten bietet. Das „Haus der Geschichte Österreich“ stellt eine historische Chance dar, allen Menschen unseres Landes, Europas und der Welt ein Bild Österreichs zu zeigen, wie wir es als Bürger dieses Landes sehen, verstehen oder es uns wünschen. Eine Rückbesinnung auf die immerwährenden Werte der Liebe, Nächstenliebe und Solidarität unter den Völkern ist der einzige Weg des Friedens, zu welchem das besagte Projekt unter anderem beizutragen vermag.

Rudi Kaske

Präsident der Arbeiterkammer Wien und der Bundesarbeitskammer

Die Bundesarbeitskammer begrüßt die Errichtung eines „Hauses der Geschichte“, gestaltet als „offenes Diskussionsforum“ mit „zukunftsorientierten Ansprüchen“. Denn die Darstellung der österreichischen Geschichte insbesondere vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart im transnationalen Kontext bietet die Chance einer kritischen und zukunftsweisenden Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit und Gegenwart. Das „Haus der Geschichte“ leistet damit im Rahmen der politischen Aus- und Weiterbildung einen wichtigen Beitrag zur Förderung eines kritischen, selbstbestimmenden Denkens. Deshalb erwarte ich mir auch, dass dem Streben der ArbeiterInnenbewegung und ihrer Organisationen nach Frieden und Demokratie, Solidarität und Mitbestimmung, Chancengerechtigkeit und dem Abbau sozialer Ungleichheit in emanzipatorischer Absicht Rechnung getragen wird. In diesem Sinne sehe ich mit Freude und Spannung der Realisierung des ambitionierten Projekts entgegen.
Foto: © Sebastian Philipp

Gery Keszler

Life Ball CEO und Obmann AIDS LIFE

In Zeiten, in denen das friedenspolitische Fundament Europas ins Wanken geraten ist, ist es umso wichtiger, nachkommenden Generationen Zugang zur Geschichte zu verschaffen. Der größte Feind liegt schließlich im Vergessen – diesem kann das Haus der Geschichte effektiv entgegenwirken. Genau wie der Life Ball schickt es so ein lautes Signal der Mitmenschlichkeit, Solidarität und Toleranz in die Welt hinaus.
Foto: © Markus Morianz

Dr. Christian Kloyber

Leiter des Bundesinstituts für Erwachsenenbildung

Wenn wir unsere Aufgabe ernst nehmen – vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Prämissen im Konzept des Lebenslangen Lernens – darf Bildung und vor allem auch die Erwachsenenbildung nicht auf ahistorischem Terrain weiterentwickelt werden. Bildung und Erwachsenenbildung sind Ort der Reflexion und der kritischen Weiterentwicklung des Politischen. Eine der Demokratie verpflichtete Gesellschaft muss einen kritischen und reflektierten Umgang mit ihrer Geschichte sichtbar aufbauen: für alle erreichbar, verständlich und zur Teilnahme und Teilhabe einladend. Das Haus der Geschichte kann so ein Ort sein!

Dr. Cornelia Kogoj

Generalsekretärin der Initiative Minderheiten

Als ich 2015 im Rahmen eines Forschungsprojekts zu Darstellungsformen von Minderheitengeschichte in US-Museen recherchiert habe, war ich beeindruckt, dass das Museum of the City of New York die Geschichte New Yorks über die politischen Kämpfe seiner Minderheiten darstellt. In der Dauerausstellung Aktivist New York wird den Ausstellungsbesucher_innen diese Geschichte anhand von Themen wie Immigration, Gender Equality, Religious Freedom oder Political and Civil Rights nähergebracht. So wird beispielsweise die Frage aufgeworfen „What has New York to do with Slavery?“ oder New Yorks Schlüsselrolle in der Schwarzen Bürgerrechtsbewegung erzählt.

Nicht nur Stadtgeschichte, auch die Geschichte von Nationalstaaten kann ohne Minderheitengeschichte nicht erzählt werden. Dass Nationalstaaten nie homogen waren und dass die Versuche solche zu kreieren, nur scheitern können, ist unter anderem daraus erklärbar.

Die Geschichte von Minderheiten ist meist eine Geschichte von viel Leid und Ungerechtigkeit, aber auch eine des Bestrebens, Normalität herzustellen und von Errungenschaften, denen oft Aktivismus, politischer Ungehorsam und zähe Verhandlungen vorrausgegangen sind. Gerade diese Geschichte sollte Eingang finden in das neue Haus der Geschichte. Damit sich unter anderem niemand mehr wundert, warum es in Teilen Österreichs zweisprachige Ortstafeln gibt.

Dr. Christian Konrad

Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung, ehemaliger Bankmanager

Österreich braucht das „Haus der Geschichte“ als Ort der Begegnung, der Analyse, des Dialogs. Gerade die Diskussionen der vergangenen Monate haben gezeigt dass wir nach einer langen Zeit des Friedens und des Wohlstands Gefahr laufen die historischen Errungenschaften, aber auch die historischen Fehler zu vergessen. Das eine wird als selbstverständlich nicht wertgeschätzt und damit aufs Spiel gesetzt, das andere birgt die Gefahr der Wiederholung unter neuen/alten Vorzeichen.
Für meine Enkelkinder wünsche ich mir ein Österreich, in dem kritisches und waches Bewusstsein rechtzeitig ein Abbiegen in gefährliche Entwicklungen verhindert. Ebenso wünsche ich mir ein Österreich, in dem Optimismus und Vertrauen weiterhin ein positives Gestalten ermöglichen.
Nicht zuletzt haben mir meine Erfahrungen als Flüchtlingskoordinator, aber auch als Schirmherr von Wirtschaft für Integration gezeigt, dass schon jetzt die Internationalität der Bevölkerung in Österreich eine Bereicherung ist, aber auch neue Fragen aufwirft.
Gerade im Leben mit MitbürgerInnen, Nachbarn, Freunden, Geschäftspartnern deren familiäre und kulturelle Wurzeln nicht über Generationen in unserer Region verankert sind, ist es wichtig, den Dialog zu Geschichte und Identität zu führen.
Denn vieles, das in unserem Land geschehen ist, darf nicht nur auf regionale historische Entwicklungen reduziert werden, sondern muss in seiner grundsätzlichen Bedeutung für das Zusammenleben von Menschen, für die gute oder schlechte Entwicklung einer Gesellschaft, analysiert und bewertet werden.
Für all das, erwarte ich mir vom geplanten „Haus der Geschichte Österreich“ einen substantiellen Beitrag.
Foto: © Thomas Topf

LAbg. GR Ingrid Korosec

Bundesvorsitzende des Österreichischen Seniorenbundes

Keine Gemeinschaft, keine Gesellschaft, auch kein Staat kann ohne Gedächtnis und ohne Erinnerung leben. Ohne Erinnerung zu leben bedeutet ja, ohne Identität und damit ohne Orientierung zu leben“, meinte einmal der deutsche CSU-Politiker Roman Herzog. Und um dieses Erinnern an die Ereignisse vergangener Zeiten, die Österreichs Identität geprägt haben, geht es bei der Zielsetzung für das neue Haus der Geschichte Österreich. Denn vor allem die demokratischen Wurzeln unseres Landes, die bereits ihre zarten Pflänzchen im 18. und 19. Jahrhundert setzten und schließlich 1918 die Demokratie Österreich mit alle den nachkommenden Schwierigkeiten entstehen ließ, soll dieses neue Museum aufzeigen. Wie wichtig gerade die Auseinandersetzung mit der „jüngeren“ Geschichte Österreichs ist, zeigt ja einmal mehr die bedrückende Unkenntnis bei vielen jungen Menschen in unserem Land, wenn sie über Österreichs Historie befragt werden. In unserer schnelllebigen Zeit, wo eventuell notwendige Recherchen schnell einmal via Wikipedia nachgeschaut und unreflektiert übernommen werden, kommt einem Ort wie dem Haus der Geschichte eine besondere Bedeutung zu. Ist doch – über die Dokumentation der Geschichte seit 1918 hinaus – auch geplant, ein Diskussionsforum zu schaffen, das den Dialog über die Demokratie der Zukunft zum Nutzen für unser Land besonders fördern soll. In diesem Sinne freue ich mich auf das Haus der Geschichte als Ort der Erinnerung für die ältere Generation, als Ort der geschichtlichen Wissensbildung für die jungen Menschen und besonders aber als Ort des Dialoges, der Begegnung und Auseinandersetzung für künftige Generationen.

HR Univ.-Prof. Richard Kriesche

Vorsitzender des Alumnivereins der Akademie der bildenden Künste, Wien

Die Anforderung an ein „Haus der Geschichte Österreich“ besteht darin, aus der Geschichte die Geschichte unserer Tage zum Tragen zu bringen – als ein Haus der Zeitgenossenschaft. Beispielhaft kann gerade dazu die Kunst aufgerufen werden. Für das „Haus der Geschichte Österreich“ bedeutet eben dieses „contemporary“ ganz konkret: die Möglichkeit des freien Zugangs der Bürgerinnen und Bürger zum frei verfügbaren Wissen über die gesellschaftliche Vergangenheit mit der gezielten Option jede/jeden einzelnen zu befähigen, daraus Erkenntnisse zur Gegenwart zu schöpfen.
Das „Haus der Geschichte Österreich“ ist gerade angesichts zunehmender innerer und äußerer Instabilität, Orientierungslosigkeit und Verunsicherung der prädestinierte Ort, an dem der gesellschaftspolitisch hochbrisante Bezugsrahmen gebildet werden kann.
Foto: © Richard Kriesche

Ferdinand Lacina

Bundesminister a.D.

Die jüngere Geschichte Österreichs darzustellen, wird wohl kein leichtes Unterfangen sein. All jenen, die gegen mächtige Mythen und kollektive Verdrängungen angehen, ist viel Mut und Tatkraft zu wünschen.

Monika Langthaler, M.Sc.

geschäftsführende Gesellschafterin brainbows – the information company

Mit großer Freude sehe ich der Realisierung dieses gesellschaftspolitisch unabdingbaren Hauses der Geschichte entgegen! Gerade heute, wo bedeutsame historische Umwälzungen spürbar auch unser Leben wieder erreicht haben, in Zeiten zunehmender Verunsicherung und Orientierungslosigkeit, in Zeiten wachsenden politischen Desinteresses ist es geradezu unumgänglich, diese seit langem geplante Stätte der kritischen Auseinandersetzung mit der jüngsten Geschichte Österreichs ins Leben zu rufen. Nur aus der Kenntnis vergangenen Handelns und der kritischen Auseinandersetzung damit kann die Gegenwart verstanden und daraus ein nachhaltiges Handeln für die Zukunft abgeleitet werden. Dazu wird das Haus der Geschichte einen äußerst wichtigen Beitrag leisten. Die Zielsetzung, einem möglichst breiten Publikum die Auswirkungen von politischen Entscheidungen auch auf den Alltag zu zeigen und gegenwärtige Entwicklungen und Probleme in die Ausstellungs- und Programmgestaltung miteinzubeziehen, gibt große Hoffnung, dass Neugier und Interesse an historischen und politischen Zusammenhängen in vielen Menschen, vor allem auch unserer Jugend, wieder geweckt werden. Möge diese Stätte das Bewusstsein für die Vorgänge in unserer jüngeren Vergangenheit schärfen, kritisches Denken und Unterscheiden, verantwortungsvolles Handeln und die Sensibilisierung für die Folgen unseres Handelns fördern. Geschichte findet nicht im Geschichtsbuch statt – wir alle sind Akteure und Gestalter unserer zukünftigen Geschichte!

Dr. Christoph Leitl

Präsident der Wirtschaftskammer Österreich

Aufgabe des Hauses der Geschichte ist es einen Rückblick auf die Vergangenheit zu ermöglichen. Nach dem Motto „historia docet“ soll der heutigen Generation vermittelt werden, dass nur durch Toleranz, Dialog und Versöhnung friedliche Zeiten bewerkstelligt und somit Krieg, Hass, Not und Verzweiflung hintan gehalten werden können. Ich wünsche mir, dass in diesem Haus durch multimediale Darstellungen, die die Ängste und Sorgen der Österreicherinnen und Österreicher in den dunkelsten Stunden unseres Landes wiedergeben, jungen Menschen ein Geschichtsverständnis in einer sehr realitätsnahen Form entgegengebracht wird und dass dieses damit verbundene Mit- und Nacherleben nachhaltige Eindrücke hinterlässt.
Foto: © WKÖ/Kucera

Hannah M. Lessing

Generalsekretärin des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus

Auffallend viel und lange wurde schon diskutiert um die Frage, ob Österreich ein „Haus der Geschichte“ brauche. Gerade die Emotionalität der geführten Auseinandersetzungen ist interessant: Es hätte wohl kein so lebhaftes Hin und Her gegeben, ginge es in dem geplanten Museum um die gesamte Geschichte Österreichs seit der erstmaligen urkundlichen Erwähnung von „Ostarrichi“. Der geplante Fokus ist es, der die Wellen so hochschlagen lässt – die jüngere Geschichte ab 1918, mit Schwerpunkt Nationalsozialismus.
Diese Jahre sind nicht zufällig so lange un-besprochen geblieben – so wie es kein Zufall ist, dass die umfassende Anerkennungs- und Restitutionsarbeit des Nationalfonds erst 50 Jahre nach Ende des Nationalsozialismus beginnen konnte. Im Nationalfonds haben sich in den vergangenen 25 Jahren unzählige Erinnerungen angesammelt, die viel von der Geschichte dieser Jahre erzählen.
Zu lange war das Thema Nationalsozialismus für die Österreicherinnen und Österreicher zu nahe und wohl gerade deshalb schwer fassbar. Wie damit umgehen? Das Sprechen über solch grauenvolles Unrecht ist auf Opfer- und Täterseite schwer. Auch das sollte Thema sein.
Nach dieser langen Vorlaufzeit ist es nun an der Zeit, den Ereignissen, die unleugbar ein bestimmender Teil österreichischer Geschichte sind, nicht nur Worte, sondern auch physischen Raum zu geben. Als Name für diesen Raum jedoch würde „Haus der Geschichte des 20. Jahrhunderts“ dem Geist einer klaren und offenen Auseinandersetzung besser gerecht werden.
Foto: © Petra Rautenstrauch

Stadtrat Dr. Michael Ludwig

Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Österreichischen Volkshochschulen

Als langjähriger Befürworter eines Hauses der Geschichte Österreichs, das insbesondere die staats- und sozialhistorische Entwicklung unseres Landes im letzten Jahrhundert in den Mittelpunkt rückt, freue ich mich besonders über dessen nun anstehende Umsetzung.
Als Ort der kritischen Auseinandersetzung, als niederschwellige Bildungseinrichtung, als kulturelle Begegnungsstätte sehe ich das Haus der Geschichte als enorme Bereicherung für Wien und ganz Österreich. Auch wird es uns erleichtern, das Heute und Morgen zu begreifen, gleichzeitig Impulse für die Gestaltung der Gegenwart und unserer Zukunft zu liefern.
Denn, wie Heinrich Heine sagte: „Der heutige Tag ist das Resultat des gestrigen. Was dieser gewollt hat, müssen wir erforschen, wenn wir zu wissen wünschen, was jener will.“
Foto: © PID/Bohmann

Dr. Helene Maimann

Historikerin, Autorin, Filmemacherin

Eine offene Gesellschaft muss mit ihrer Geschichte vertraut sein. Manipulation von Geschichte ist die älteste Form von Machtmissbrauch, sagte der britisch-amerikanische Historiker Tony Judt. Deshalb seien Demokratien gut beraten, dafür zu sorgen, dass ihre Bürger und Bürgerinnen Bescheid wissen. Es geht nicht darum, unsere Geschichte neu zu schreiben, die Vergangenheit neu zu etikettieren. Sie besser kennen zu lernen und zu verstehen wäre schon ein großes Ziel, denn niemand kann hinterfragen, was er oder sie nicht kennt. Eben deshalb freue ich mich, dass es dieses Haus der Geschichte geben wird, ein Haus mit offenen Türen und Fenstern.
Foto: © Julia Stix

Willi Mernyi

Mauthausen Komitee Österreich

Demokratie, Freiheit, sozialer Friede, Mitbestimmung, ArbeitnehmerInnenrechte, Wohlstand, Menschenrechte und Toleranz sind keine Selbstverständlichkeiten, die uns in den Schoß gelegt wurden. Die Wurzeln dafür liegen in der Vergangenheit, sie sind „Geschichte“. Im Idealfall spielen Vergangenheit und Gegenwart eng zusammen, da Gesellschaften seit jeher einem ständigen Wandel unterliegen. In unserer heutigen Gesellschaft kommt dabei dem Wissen eine immer entscheidendere Rolle zu, gerade auch dem Wissen um unsere Geschichte.

Die neuen (Kommunikations-)Technologien ermöglichen es zwar, dass wir heute mit nur einem Klick jede Menge an Wissen und Informationen suchen können, aber die mittlerweile unüberschaubare Vielfalt an Ergebnissen erschwert zunehmend eine sinnvolle Betrachtung oder wahrheitsgetreue Verknüpfung. Daraus entsteht eine Orientierungslosigkeit, die zu wachsender Unwissenheit, Oberflächlichkeit und Gleichgültigkeit gegenüber der Gesellschaft, gegenüber der Politik, aber auch gegenüber der Geschichte führt. Durch die neuen Technologien hätte man anfangs noch hoffen können, dass sich Gesellschaften aus eigenem Antrieb heraus demokratischer weiterentwickeln. Ein Trugschluss, wie wir heute weltweit immer öfter erkennen müssen. Ein ständiger demokratiepolitischer Fortschritt ist keineswegs automatisch vorgegeben. Ganz im Gegenteil. Die neuen Technologien nutzen auch jene, die mit rechtspopulistischen Parolen und extremistischen Verbindungen ganze Gesellschaften spalten wollen, aus Unschuldigen werden schnell wieder Schuldige. Diesen Entwicklungen müssen wir geschlossen entgegenwirken.

Ein Blick zurück ist wichtig um Geschichte zu verstehen, die Mechanismen die zu Endstationen wie Konzentrationslagern führten zu erkennen und solche Entwicklungen in der Gegenwart wahrzunehmen. Es ist wichtig aus den Handlungen der Geschichte zu lernen, um Entwicklungen wie damals, und Verstöße gegen Menschrechte, entgegenzuwirken. Dafür brauchen wir einen Ort der Geschichte, der auch das Gewissen unserer Geschichte gegenüber in der ganzen Dimension erfasst und dem Diskurs darüber Raum gibt. Einen institutionalisierten Ort der Geschichte, der dieses Gewissen stärkt – auch über unsere Landesgrenzen hinweg, dieses Gewissen an unsere Jugend vermittelt und jede noch so akribische Kleinarbeit fördert, die immer wieder noch Neues und Unerwartetes hervorbringt. Ohne so einen Raum wäre die Gefahr des Vergessens und Vergessen-Wollens viel größer in unserem Land. Wir brauchen daher das „Haus der Geschichte Österreich“, wenngleich auch wissend, dass der Weg dorthin für einige weiter, für andere näher liegt. Der Weg zu unserer Geschichte ist aber zugleich unser Weg in eine stabile und bessere Zukunft!

Petra Morzé

Schauspielerin

Als ich davon hörte, war ich sofort begeistert. Nicht nur, weil Geschichte in der Schule mein Lieblingsfach war, sondern, weil ich mich freue und davon überzeugt bin, auch für die nachwachsenden Generationen, dass die Republik Österreich endlich und mit vollster Klarheit bereit ist, sich vor allem mit ihrem Umgang, ihrem schändlichen Umgang mit ihrer Rolle 1938 bis tief in die achtziger Jahre, an einem öffentlichen Ort, für jedermann zugänglich, in Wort, Bild, Ton und Information auseinanderzusetzen.
Ich glaube zutiefst an ein lernendes wissen, informieren und erfahren von „woher komme ich? Wohin gehe ich?“ – ich bin voll Freude und Neugier.
Foto: © Ingo Pertramer

HR Dr. Wolfgang Muchitsch

Präsident Museumsbund Österreich

Ein Haus der Geschichte für Österreich – ein Museum voller Optionen!
Für die österreichische Museumslandschaft ist das Haus der Geschichte Österreich eine große Chance und Bereicherung. Gerade das Sammeln zeithistorisch relevanter Bestände ist in Österreich ein Desiderat. Wir sehen das Haus der Geschichte Österreich als einen zentralen Knotenpunkt eines Netzwerks, das die vielfältigen Museen Österreichs, die sich mit Themen der jüngeren Geschichte beschäftigen, miteinander verbinden, überinstitutionelle, kooperative Projekte lancieren und die Zusammenarbeit fördern kann. Eine der Stärken der Institution Museum liegt darin, Objekte aus vergangenen Zeiten zu bewahren, die von jeder Generation aufs Neue wissenschaftlich befragt werden müssen, um das Geflecht der Geschichte zu verdichten. Das Museum als Ort des kollektiven Gedächtnisses und Diskurses kann mit seinen vielzähligen Möglichkeiten, insbesondere seinen Ausstellung, nicht nur zum Erkenntnisgewinn für die Besucher/innen beitragen, sondern vor allem auch zur Vermittlung der grundlegenden Werte einer demokratischen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts.
Foto: © UMJ, Marija Kanizaj

Univ.-Prof. Dr. Markus Müller

Rektor der Medizinischen Universität Wien

Gerade Österreich – mit seinen für uns alle täglich sichtbaren Zeichen seiner langen Geschichte – braucht ein klares Verständnis woher es kam und wohin es gehen möchte. Zugang zur eigenen Geschichte ist auch eine aktive Entscheidung über die eigene Identität. Das gilt konkret sowohl für die Medizinische Universität Wien an der 1938 77% der Fakultätsmitglieder vertrieben wurden als auch für die aktuelle Frage der Integration. Jeder Gast in unserem Land stellt sich die Frage: Was ist dieses Österreich und wofür steht es? Ich bin mir nicht sicher ob wir darauf immer eine klare Antwort haben. Ein Haus der Geschichte wäre in diesem Sinn ein wichtiger Kristallisationspunkt unserer Identität.

Dr. Ariel Muzicant

Geschäftsführer Colliers International

Als ich zur Schule ging, endete der Geschichtsunterricht beim Ersten Weltkrieg. 70 Jahre wurde verdrängt, verschwiegen, Konflikte unter den Teppich gekehrt. Es ist höchste Zeit, dass dieses für die Österreicher so schwierige 20. Jahrhundert in einem Haus der Geschichte aufgearbeitet wird. Dass die immer noch schwelenden Konflikte dargestellt und damit eines Tages beendet werden können. Dass es damit gelingt, die Gräben der Vergangenheit zu schließen und mit modernsten Mitteln unseren Enkelkindern dieses schwierige historische Kapitel näher zu bringen.

Univ.-Prof. Dr. Heinrich Neisser

Jurist, Politiker

Der Europäische Einigungsprozess hat für die Mitgliedstaaten der Europäischen Union neue Herausforderungen gebracht. Dazu zählt im Besonderen die Aufgabe, sich die eigene Vergangenheit bewusst zu machen. Die Existenz einer europäischen Identität hat zur Voraussetzung, dass die einzelnen Staaten ihre eigene geschichtliche Entwicklung kennen und aus diesem Wissen heraus ein Vereintes Europa mitgestalten. Das Bewusstsein der eigenen Vergangenheit verlangt einen offenen und kritischen Umgang mit der historischen Entwicklung.
Die Zielsetzungen eines „Haus der Geschichte Österreich“ entsprechen den Herausforderungen der Europäischen Union, „Vielfalt in Einheit“ zu gewährleisten. Die Geschichte des europäischen Kontinents ist eine Geschichte von zahllosen Trennungen, Konflikten und Kriegen einerseits und vielen Versuchen, Bindungen zu schaffen und sich um eine europäische Friedensordnung zu bemühen andererseits. Diese Geschichte hat uns eine Verantwortung aufgebürdet, die ein differenziertes Verständnis für geschichtliche Abläufe verlangt. Das Projekt Europa kann nur mit einem klaren Blick auf Europas Vergangenheit gelingen. Dabei geht es nicht um die Wiederbelebung nationalstaatlicher Strukturen, sondern um das Erkennen von Chancen eines gemeinsamen Weges. Das „Haus der Geschichte“ hat bei der Bewältigung dieser Aufgabe eine grundsätzliche Bedeutung.

Hon. Prof. Dr. Wolfgang Neugebauer

ehemaliger wissenschaftlicher Leiter des DÖW

Als (früherer) wissenschaftlicher Leiter des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW) war ich seit den 1990-er Jahren mit Vorläuferprojekten des nunmehrigen Hauses der Geschichte Österreich konfrontiert, unter anderem mit dem von Leon Zelman initiierten und von Anton Pelinka elaborierten Projekt Haus der Toleranz im Palais Epstein. Alle diese Projekte waren durchaus anspruchsvoll, wissenschaftlich fundiert und human orientiert; sie hatten nur einen entscheidenden Nachteil: Sie konnten aus verschiedenen, im Bereich der Politik liegenden Gründen nicht realisiert werden. Umso wichtiger erscheint es mir, dass die nun gegebene Chance wahrgenommen und die Realisierung dieses Vorhabens in Angriff genommen wird.
Aus meiner Sicht sollte die für die Zweite Republik folgenschwere NS-Herrschaft, die für viele Menschen Verfolgung, Vertreibung, Inhaftierung und Tod nach sich zog und einen „Zivilisationsbruch“ (Dan Diner) bedeutete, einen thematischen Schwerpunkt bilden. Für die in Wohlstand und Sicherheit der Zweiten Republik aufgewachsenen Generationen kann dadurch sichtbar gemacht werden, dass Demokratie, Rechtsstaat, Minderheitenrechte und Humanität keine Selbstverständlichkeiten sind und keinen Ewigkeitsanspruch haben, sondern Errungenschaften sind, die mühsam erkämpft worden und gegen Anfechtungen stets zu verteidigen sind. Die lange Zeit in der öffentlichen Wahrnehmung, aber auch in der Forschung nicht oder zu wenig beachtete und behandelte Involvierung von Österreichern in das NS-Regime, insbesondere die Beteiligung an NS-Verbrechen wie den Holocaust, sowie der aus heutiger Sicht zu kritisierende Umgang der österreichischen Nachkriegspolitik und -gesellschaft mit den ehemaligen Nationalsozialisten sind meines Erachtens unverzichtbare und schonungslos aufzuzeigende Inhalte. Als Historiker des österreichischen Widerstandes, der viele Jahre mit ehemaligen WiderstandskämpferInnen und Überlebenden von KZ im DÖW zusammengearbeitet hat, ist es mir aber auch ein Anliegen, dass der Einsatz, der Kampf und die Opfer des Widerstandes einen angemessenen Platz im Haus der Geschichte einnehmen werden. Erika Weinzierls zutreffendes Wort von den „Zu wenig Gerechte(n)“ (in Bezug auf „Judenretter“) sollte nicht dazu verleiten, die wenigen Gerechten zu negieren. Es wäre ein Fehler, die obsolet gewordene „Opfertheorie“ (Österreicher nur NS-Opfer) unreflektiert durch eine bislang wissenschaftlich nicht bewiesene „Tätertheorie“ (Österreicher überproportional NS-Täter) zu ersetzen.
Ich gehe davon aus, dass solche und andere kontroversielle Themen nicht eindimensional oder monokausal dargestellt werden und quasi nur eine „offizielle“ Geschichtsversion präsentiert wird. Im Rahmen des Möglichen sollten auch abweichende und unorthodoxe Interpretationen und Sichtweisen ihren Platz haben und die Vielfalt von Meinungen und Einstellungen in einer demokratisch verfassten, pluralistischen Gesellschaft widergespiegelt werden. Mir ist schon klar, dass die Fülle der Inhalte und Positionen in einer räumlich beschränkten Ausstellung nur schwer adäquat wiedergegeben werden kann; hier wird gewiss die Homepage weite Möglichkeiten, auch der Kommunikation mit den BesucherInnen und Usern, bieten.
Schließlich noch ein Wort zu dem nicht unumstrittenen Standort Hofburg: Ich präferiere die zentrale und repräsentative Lage auf einem geschichtsträchtigen Platz gegenüber einem Neubau an der Peripherie. Die Nähe und die organisatorische Anbindung an die bewährte und traditionsreiche Institution Österreichische Nationalbibliothek sind auf alle Fälle vorteilhaft.
Ich hoffe sehr, dass das Haus der Geschichte Österreich bald verwirklicht wird, und wünsche den GestalterInnen und Verantwortlichen viel Erfolg.

Univ.-Prof. Dr. Christa Neuper

Rektorin der Karl-Franzens-Universität Graz

Unsere Vergangenheit bestimmt auch unsere Zukunft. Nur wenn wir unsere Geschichte kennen, können wir uns weiterentwickeln. Es ist daher wichtig, dass möglichst vielen Menschen auf ansprechende Weise prägende Ereignisse früherer Jahre und Jahrzehnte bewusstgemacht werden – gerade heute, da unsere Gesellschaft durch Krisen und Migration großen Herausforderungen gegenübersteht. Das Haus der Geschichte als Ort des Austauschs und der Reflexion mit einem wissenschaftlich fundierten Konzept bietet dafür eine hervorragende Möglichkeit. Wir freuen uns, dass auch herausragende ZeithistorikerInnen der Uni Graz in dieses Projekt eingebunden sind.
Foto: © Uni Graz/Kanizaj

Botschafterin i.R. Dr. Eva Nowotny

Vorsitzende des Universitätsrats der Universität Wien

Karl Kraus hat angeblich einmal gesagt, in der Geschichte wäre Österreich den anderen immer schon voraus gewesen. Das ist natürlich Ironie, hat aber doch auch einen realen Kern – wir sind in unserem täglichen Leben von Zeugnissen und Erbstücken unserer Geschichte allgegenwärtig, wenngleich oft unreflektiert, umgeben. Daher sehe ich in dieser reichen historischen Umgebung einen wichtigen Platz für ein „Haus der Geschichte“, ja nachgerade eine Notwendigkeit für seine Gründung.
Seine Mission muss sein, Ereignisse und Entwicklungen in einen erklärenden Kontext zu bringen, Zusammenhänge und große Linien aufzuzeigen, Klischees und liebgewordene Vorstellungen abzubauen oder zurechtzurücken und dabei vielleicht in so mancher Bruchlinie in unseren Geschichtsbildern Übereinstimmung und Konsens zu erzeugen. Gerade jetzt sprechen wir so viel über Welterbe. Er ist an der Zeit, unser eigenes Erbe genauer zu analysieren.

Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Ewald Nowotny

Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank

Ich sehe das geplante „Haus der Geschichte“ als eines der wichtigsten Projekte für eine erfolgreiche Zukunft Österreichs. Denn die Kenntnis der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen ist eine wesentliche Basis für langfristig zukunftsfähige Entscheidungen. Das geplante Museum bietet aus meiner Sicht die Chance, die Kenntnis der positiven, wie auch der negativen Seiten in der Entwicklung Österreichs in fundierter Weise für einen weiten Kreis von Menschen weiter zu geben. Gerade aus der Vielfalt eines modernen Gemeinwesens ergibt sich verstärkt die Notwendigkeit, sich gemeinsam mit historischen Entwicklungen und weiterführenden Perspektiven zu befassen. Eine lebendige, starke Demokratie braucht unbedingt eine solche Investition, die Vergangenheit mit Zukunft verbindet!
Foto: © OeNB

Carolin Pienkos und Cornelius Obonya

Regisseurin, Schauspieler

Geschichte kann immer nur lebendig erfahren werden. Durch das geschriebene Wort, permanenten Dialog, das erfahrende Erleben. Das Haus der Geschichte Österreich will, so denken wir, genau dies. Den Österreichern zu ganz bestimmten, sehr lange verdrängten, zerredeten und missbrauchten Aspekten der Geschichte ihrer Republik Werkzeuge in die Hand geben, um einen freien, offenen Umgang mit ihnen zu haben und sich und allen Bürgern Klarheit zu verschaffen. Deshalb unterstützen wir seine Errichtung. Möge es ein offenes Haus sein und möge es nicht seinerseits wiederum nur als ein Ort dienen, in den man Geschichte verschließen kann ohne weiter darüber nachdenken zu müssen.

Elisabeth Orth

Schauspielerin, Doyenne des Wiener Burgtheaters

Ich habe schon geglaubt, das „Haus der Geschichte“ nicht mehr zu erleben. Wie erfreulich die Vorstellung, bald mit meinem Enkel durch österreichische Geschichte zu wandern, entlang Soren Kierkegaards Satz: „Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden.“
Foto © Reinhard Werner

Dr. Josef Ostermayer

Bundesminister a.D.

„Österreich fehlt eine permanente Einrichtung, die ein breites Spektrum an Fragestellungen mit dem Fokus auf die jüngere und jüngste österreichische Geschichte abdeckt. Um einem möglichst breiten Publikum im nationalen (SchülerInnen, LehrerInnen, sonstige Öffentlichkeit) sowie im internationalen Rahmen (TouristInnen, MigrantInnen) die jüngere und jüngste Geschichte Österreichs in ihrem europäischen und internationalen Kontext zu vermitteln und eine historisch fundierte Auseinandersetzung mit ihr zu ermöglichen, soll ein „Haus der Geschichte Österreich“ eingerichtet werden.“

„Dieses soll die Zeitgeschichte Österreichs ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit thematischen Rückblicken in die Zeit der Aufklärung und davor und einem besonderen Schwerpunkt auf die Zeit von 1918 bis in die Gegenwart in ihrem europäischen und internationalen Kontext vermitteln. Das Haus der Geschichte Österreich soll auch ein aktives und offenes Diskussionsforum für zeithistorische Fragestellungen und Themen der Gegenwartsgeschichte sein und ist zu einer objektiven wissenschaftlichen Darstellung geschichtlicher Entwicklungen und Ereignisse verpflichtet.“

Das erste Zitat stammt aus den Materialien zur Bundesmuseen-Gesetz-Novelle, die im Frühjahr 2016 beschlossen wurde, das zweite Zitat findet sich im Gesetzestext, der erstmals in der langen Geschichte des Ringens das Haus der Geschichte festschreibt.

Vorausgegangen waren Jahrzehnte des Scheiterns, der Verankerung in Regierungsprogrammen, der Standortdiskussionen, der Finanzkrise und der großen Chance, die sich im November 2014 in der Neuen Burg am Heldenplatz ergab und ergriffen wurde. Die Umsetzungsstrategie, die der hochkarätige Internationale Wissenschaftliche Beirat unter der Leitung von Univ.Prof. Oliver Rathkolb erarbeitete und die Kooperation mit den Verantwortlichen der Österreichischen Nationalbibliothek und des Kunsthistorischen Museums waren die wesentliche Unterstützung bei der politischen Überzeugungstätigkeit, das Haus der Geschichte gesetzlich festzuschreiben, um nicht nur darüber zu diskutieren, sondern es Realität werden zu lassen.

Weil wir im Sinne einer positiven, friedlichen Zukunft, die Chance, aus der Geschichte lernen zu können, nicht vergeben dürfen.
Foto: © BKA / Johannes Zinner

Univ.-Prof. Dr. Anton Pelinka

Professor of Nationalism Studies and Political Science, Central European University, Budapest

Das Haus der Geschichte ist eine große Chance, aus den verschiedenen Versatzstücken einer vielfach gebrochenen Vergangenheit und den Widersprüchen parteilicher Wahrnehmungen die Grundlage für wissenschaftlich fundierte Diskurse und für eine der Demokratie und den Menschenrechten verpflichtete Weitergabe von Wissen zu schaffen: Wissen und Verstehen, jenseits von Vereinfachungen und jenseits des Ausklammerns von Tabus.

Botschafter i.R. Dr. DDr. hc Wolfgang Petritsch

Präsident der Österreichischen Marshallplan Stiftung

Ich unterstütze aus Überzeugung die längst überfällige Umsetzung des Projektes „Haus der Geschichte Österreich“. Oliver Rathkolb hat mit seinem internationalen Team ein Konzept entwickelt, das eine offene Plattform für drei, wie ich meine, besonders wichtige Themen bietet: Die Geschichte der österreichischen Aussen- und Europapolitik, Zuwanderung und Migrationsströme sowie die Rolle der Volksgruppen im Prozess der Bildung der österreichischen Nation.
Da interessiert mich zum einen der kritische Diskurs über die wechselvolle Geschichte der österreichischen Aussenpolitik und des internationalen Engagements (dessen Fehlen uns stets geschadet hat). In Zeiten einer finanzindustriell getriebenen Globalisierung, die das europäische Einigungsprojekt existentiell in Frage stellt, ist unser österreichisches Selbstverständnis in Europa und in der Welt wichtiger denn je geworden.
Meine zweiter Wunsch ist mit dem Thema Migration verbunden. Gerade heute ist es unabdingbar notwendig, dieses die republikanische Vergangenheit und Zukunft prägende Thema Zuwanderung als österreichische Konstante in den historischen Kontext zu setzen.
Mein dritter und womöglich persönlichster Punkt betrifft die historisch oftmals missachtete Rolle der Volksgruppen für die Herausbildung der spezifisch österreichischen Identität; eine Identität, die den vielfältigen Charakter Österreichs als Normalität erkennt.
Bemühen wir uns darum, dass das „Haus der Geschichte Österreich“ ein Ort offener Diskurse und kritischer Aufklärung über unser gesellschaftliches und politisches System unter den Bedingungen der europäischen Integration wird.
Ein Haus, in dem unentwegt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verhandelt wird.

Martin Pollack

Schriftsteller

Da ich aus einer Familie stamme, in der sich alle, wirklich alle zum Nationalsozialismus bekannten und viele aktiv tätig waren, in der Gestapo, in der SS, im SD usw., manche auch in führenden Positionen, weiß ich aus eigener Erfahrung, wie wichtig es ist, sich offen mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Ohne etwas zu beschönigen und zu verschweigen. Es ist vielmehr nötig, alles zu erforschen und zu erzählen, auch wenn die Geschichten noch so peinlich und schmerzlich sein mögen. Dafür braucht es vor allem Menschen, die diese Arbeit auf sich nehmen, aber auch Institutionen, die sie dabei unterstützen. Ein Haus der Geschichte sollte meines Erachtens so eine Institution sein. Dass man erst jetzt daran denkt, ein solches zu errichten, ist bedenklich genug. Das hätte schon längst gemacht werden müssen. Umso dringender erscheint es, das jetzt rasch auf den Weg zu bringen.
Foto: ©Ayse Yavas 2014

Dr. Hugo Portisch

Journalist

Braucht Österreich ein Haus der Geschichte? Ja, und wie!
Meine eigene Erfahrung: Im Jahre 1980 feierte Österreich den 25. Jahrestag der Unterzeichnung des Staatsvertrags. Die Regierung hatte die Außenminister der vier alliierten Vertragspartner zu einer Feier ins Belvedere eingeladen. Mit dem Restbudget der 25-Jahre Feier sollte eine wahrheitsgetreue Geschichte Österreichs in der Ersten und der Zweiten Republik geschrieben werden, als Schulbuch für den Geschichtsunterricht. Das gab es 1980 noch nicht! Dieser Unterricht endete in der Regel mit dem Ersten Weltkrieg. Das Schulbuch wurde unter dem Titel „Zeitgeschichte im Aufriss“ geplant. Aber die Schulbuchkommission lehnte die Genehmigung des Buches ab: Zu sehr sei die Geschichte Österreichs noch umstritten. Im Jahre 1980! Einige Jahre später bat mich der Generalintendant des ORF, Gerd Bacher, die Geschichte der Zweiten Republik für das Fernsehen zu rekonstruieren. Die TV- Dokumentationen „Österreich II“ und „Österreich I“ wurden von jeweils mehr als einer Million Menschen gesehen, mehr als jede andere Fernseh-Sendung. So groß war das Interesse des Publikums, so sehr wollten die Menschen erfahren, was sich wirklich im 20. Jahrhundert in Österreich getan hatte.
Doch wie schwierig das war, der Versuch eine historisch gesicherte Sicht auf die Geschichte des Landes zu gewinnen! Die Wahrheit hatte offenbar viele Facetten. Wann können wir unsere Kinder an die Hand nehmen und sie in ein Haus führen, in dem sie sich durch eigene Anschauung ein Bild von der Geschichte ihres Landes und dem Leben ihrer Eltern und Vorfahren machen können? Geschichtslos aufzuwachsen ist nicht vorstellbar für intelligente Menschen. Nichts kann dies in der notwendigen Vielfalt und Sorgfalt besser erfüllen, als ein Haus der Geschichte. Und keineswegs nur für Kinder, sondern für alle, die Österreichs Geschichte in ihrer Vielfalt und auch in ihrer Umstrittenheit erfahren wollen. Nein, erfahren müssten. Nur wer weiß, was und warum etwas geschehen ist, kann das heutige Geschehen beurteilen, seine heutigen Gefahren einschätzen, und daher auch sein eigenes Verhalten bestimmen. Wie wichtig das ist, lässt sich den Tagesmeldungen entnehmen.
Foto: © ORF Thomas Ramstorfer

Mag. Gilbert Prilasnig

Jugendleiter SK Puntigamer Sturm Graz

Der kritischen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, insbesondere der Aufarbeitung belasteter und belastender Zeitabschnitte, wurde in Österreich bekanntermaßen lange nur wenig Raum gegeben. Mit dem Haus der Geschichte Österreich wird nun ein Zentrum geschaffen, welches für die Ausbildung des historischen Gewissens vieler Generationen eine wichtige Rolle einnehmen kann.

Univ.-Prof. Dr. Sonja Puntscher Riekmann

Jean Monnet Professor an der Universität Salzburg & Leiterin des Salzburg Centre of European Union Studies

Warum hatte das Haus der Geschichte Österreichs so eine lange Entstehungsgeschichte? Weil es zwar eine Binsenweisheit ist, dass Gegenwart und Zukunft einer politischen Gemeinschaft auch von der Reflexion der Vergangenheit abhängen, aber jede Reflexion auf unterschiedlichen Narrativen beruht und damit kontrovers ist. Österreich ist ein Land, in dem man Kontroversen scheut. Der Fokus des Hauses auf das 20. Jahrhundert impliziert die Auseinandersetzung mit dem Zusammenbruch der politischen, rechtlichen und sozialen Ordnung, dessen Tiefpunkt die Shoah ist, aber auch mit Neuanfängen vom Aufbau des Staates, seiner demokratischen, verfassungsrechtlichen und sozio-ökonomischen Grundlagen bis zur Integration in die Europäische Union. Diese Geschichte ist zugleich von großen wissenschaftlichen und künstlerischen Leistungen und einer beständigen Neigung zu Provinzialität und Abschottung geprägt. Wenn das neue Haus der Geschichte ein Ort für die Auseinandersetzung mit dieser österreichischen Dialektik wird, an dem frei und unvoreingenommen gedacht und gestritten werden kann, dann wäre das ein Fortschritt für Österreich und ein Beitrag zur Geschichte Europas.

Dr. Doron Rabinovici

Schriftsteller und Historiker

Die Auseinandersetzung mit der jüngeren Geschichte ist in Österreich keine Selbstverständlichkeit. Eben deshalb wird wohl bereits viele Jahre über ein „Haus der Geschichte“ gestritten und es ist hoch an der Zeit, nun einen Ort zu gestalten, an dem die Debatte über die Vergangenheit angegangen werden kann. Das ist ein mühevolles und heikles Unterfangen, zumal in einem Land, dessen Selbstverständnis lange auf der Leugnung historischer Verstrickungen beruhte und in dem selbst über lange zurückliegende Ereignisse noch keine Einigung gefunden werden konnte. Umso besser und wichtiger ist es für ein demokratisches Österreich, wenn sich Oliver Rathkolb mit seinem Team dieser Aufgabe endlich stellen kann.
Foto: © Reinhard Werner

Dr. Johanna Rachinger

Generaldirektorin der Österreichischen Nationalbibliothek

Ich freue mich sehr, dass das Haus der Geschichte Österreich, dieses so wichtige Museumsprojekt, nach langen Jahren der Diskussion nunmehr Wirklichkeit wird.
Mit dem Haus der Geschichte Österreich entsteht nicht nur ein symbolischer und realer Erinnerungsort unserer jüngeren Geschichte, sondern auch ein Ort der politischen Bildung und der kritischen und offenen Diskussion. Das Haus der Geschichte Österreich sehe ich vor allem anderen als ein öffentliches Schaufenster unserer gegenwärtigen Gesellschaft, ihrer demokratischen Reife und ihres Bekenntnisses zu einer offenen Gesellschaft. Einer Gesellschaft, die ihre eigenen Fehler und Versäumnisse in der Geschichte nicht zu vertuschen oder zu verleugnen versucht, sondern sich klar dazu bekennt. Einer Gesellschaft, der es nicht um die dogmatische Festschreibung einer nationalen Einheitsgeschichte geht, sondern die beweist, dass auch die selbstverständliche Toleranz unterschiedlicher Standpunkte und die Bereitschaft zu friedlicher Konfliktbewältigung zu ihren Werten gehören.
Ich glaube, dass wir diesen Spiegel notwendig brauchen, damit wir klar und selbstbewusst in eine gemeinsame europäische Zukunft blicken können.
Foto: © Sabine Hauswirth ÖNB

Dkfm. Dr. Claus J. Raidl

Präsident Österreichische Nationalbank

Wir leben leider in seiner sehr ahistorischen Zeit. Historische Zusammenhänge und Vergleiche herzustellen, wird immer seltener angeboten und die Befähigung des Einzelnen dazu wird immer geringer, da die dafür notwendigen Grundlagen oft fehlen. Das geplante Haus der Geschichte wäre der ideale Ort, dieses Versäumnis in didaktischer und historisch einwandfreier Art nachzuholen. Ein Haus der Geschichte bietet für alle Österreicher auch die Chance, in kritischer Selbstreflexion die positiven Leistungen unseres Landes, aber auch die furchtbare historische Belastung, die wir zu tragen haben, zu begreifen. Ich kann nur hoffen, dass das Haus der Geschichte das Selbstverständnis der Österreicher fördert und ein Gefühl für Geschichte vermittelt und historische Einordnungen ermöglicht.
Foto: © Homepage ÖNB

Maria Rauch-Kallat, MBA

Politikerin, Geschäftsführerin von mrkConsult e.U.

„Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft!“ Dieses Zitat von Wilhelm von Humboldt wurde vielfach wiederholt und von Hans Friedrich Bergmann folgendermaßen präzisiert: „Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen. Wer die Gegenwart nicht versteht, kann die Zukunft nicht gestalten.“
Der amerikanischen Philosoph und Schriftsteller George Santayana hat mit seiner Interpretation wohl am klarsten die Konsequenz erkannt, die aus der Missachtung dieses Spruches resultiert. Er war es der sagte: „Wer die Vergangenheit nicht kennt, ist gezwungen, sie zu wiederholen“.
In meiner Generation – kurz nach dem zweiten Weltkrieg geboren – hat der Geschichtsunterricht in der Schule viel zu oft mit dem ersten Weltkrieg geendet. Was immer es war – die Angst der Lehrer vor dem heiklen Thema oder die eigene Vergangenheit – es war falsch. Es hat Jahrzehnte gedauert, bis unser Land einen klaren, unverfälschten Blick auf die eigene Geschichte gewagt hat. Und einige Ewig-Gestrige haben es immer noch nicht begriffen.

Gerade darum ist es so wichtig, endlich das politische Langzeit-Projekt „Haus der Geschichte“ in Angriff zu nehmen und in die Tat umzusetzen. Ich wünsche mir und diesem Haus, dass es meiner und allen nachfolgenden Generationen nicht nur die Augen öffnen sondern für die Gestaltung der Zukunft auch die Erkenntnis und Vernunft mitgeben möge, dass sich vieles NIE WIEDER wiederholen darf!

Hans Rauscher

Journalist

Im Gegensatz zu vielen, vielen jungen Leuten meiner Generation habe ich im Gymnasium eine erstklassige Aufklärung über die Zeit des Nationalsozialismus erhalten. Das lag vor allem an meinem Klassenvorstand Prof.Hermann Lein, Deutsch und Geschichte, der selbst als „Innitzer-Gardist“ (Teilnehmer am einzigen – katholischen – Massenprotest gegen die NS-Herrschaft in Wien ) die KZs Dachau und Mauthausen als ganz junger Mann überlebt hatte.
Als junger Journalist war ich dann kritischer Beobachter und Kommentator der großen Verdrängungsdebatten in den 70er-, 80er-und 90er-Jahren: Kreiskys Reaktion auf die Enthüllung von FPÖ-Chef Friedrich Peters Mitgliedschaft bei einer Judenmord-Einheit durch Simon Wiesenthal; die Affaire Waldheim; und Haiders Diktum von der österreichischen Nation als „ideologische Mißgeburt“.
All das waren Kämpfe um die Deutung der Zeitgeschichte, die Österreich erschütterten. Daneben die mühsamen Bestrebungen, eine gemeinsame Deutung der Ereignisse der Ersten Republik zu finden; sowie eine differenziertere Sicht der Habsburger-Monarchie.
Die Errungenschaften dieser großen Debatten gilt es zu erhalten und geistig einzuordnen. Deshalb ist ein „Haus der Geschichte“ unerlässlich.
Foto: © Matthias Cremer

Barbara Rett

Kulturjournalistin

Es ist Zeit, sich dem Heldenplatz und seinen wechselnden „Helden“ zu stellen. Das Haus der Geschichte wird ein wichtiger Baustein dabei sein!
Foto: © Ernst Kainerstorfer

Dipl.-Ing. Günter Rhomberg

ehemaliger Geschäftsführer der Bundestheater-Holding

Schon durch das Faktum der jahrelangen, engagierten, inhaltlichen Diskussionen rund um den Plan zur Errichtung eines „Hauses der Geschichte“ ergibt sich der Wunsch jetzt endlich mit der Realisierung dieses für unser gesamtstaatliches Bewusstsein so wichtigen Hauses zu beginnen. Aus meiner persönlichen Sicht war es daher richtig, dass Minister Ostermayer jetzt eine Entscheidung getroffen hat. Weitere Jahre der Diskussion verschiedenster Ideologien und Standortvarianten hätten nur dazu geführt, dass auch in den nächsten Jahren kein Projekt realisiert würde.“
Foto: © Thomas Wunderlich

Peter Rosei

Romancier und Essayist

Wenn wir unsere Vergangenheit nicht kennen, können wir unsere Gegenwart nicht richtig verstehen. Das (endlich) im Entstehen begriffene „Haus der Geschichte“ will aber nicht bloß ein Ort der Dokumentation und Chronik sein. Besonders erfreulich und begrüßenswert ist die Absicht, damit ein Forum der Deutung und lebendigen Diskussion zu schaffen, was der Demokratie hierzulande nur nützen kann. Vielleicht kann es auf diesem Weg gelingen, nicht nur innerhalb der Grenzen unseres Landes, sondern darüber hinaus auch mit unseren Nachbarn zu einer Geschichtserzählung zu finden, die Widersprüche nicht versteckt oder zukleistert, sondern versucht, sie für den Bau einer gedeihlichen Zukunft fruchtbar zu machen.
Foto: © Gabriela Brandenstein

Gerhard Roth

Schriftsteller

Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?“ heißt Paul Gauguins großes Bild, das er selbst als Testament verstand. Der Titel ist die Urfrage der gesamten Menschheit und spielte anfangs vor allem für die Religionen und die Geschichtswissenschaften eine entscheidende Rolle. Inzwischen ist sie nicht weniger zu einer Formel für die Naturwissenschaften, vor allem die Biologie, die Genetik und Astrologie, ebenso wie für die Philosophie und Psychologie geworden.
Österreich hat eine komplizierte, große und reiche Geschichte, aber auch eine nicht weniger komplizierte schreckliche und grausame. Diese Geschichte muss für jede neue Generation noch einmal oder sogar neu erzählt werden. Sie muss ein „Offenes“ Buch sein, nichts von ihr darf verschwiegen oder missinterpretiert werden.
Ein offenes Buch muss für alle und von jeder Seite her zugänglich sein, denn ohne Offenheit gibt es auch kein „Offenes Buch“.
Foto: © ORF/Günther Pichlkostner

Dr. Fuat Sanaç

ehemaliger Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich

Ich freue mich über den politischen Entschluss, das Haus der Geschichte nach langen Debatten umzusetzen. Das Museum soll ein lebendiger Ort der Begegnung werden, an dem das Zusammenwirken der vielfältigen Kulturen in Österreich sichtbar wird.

Prof.in Käthe Sasso

Widerstandskämpferin, Zeitzeugin

Warum mir die Errichtung vom „Haus der Geschichte Österreich“ so viel bedeutet? Weil ich die Zeit als Häftling im Landesgericht I und im Konzentrationslager Ravensbrück überlebt habe. Und vor allem damit die vielen ermordeten Opfer der Nazi-Unrechtsjustiz niemals vergessen werden! Sie wurden wegen Widerstand oder Hilfsbereitschaft zu Tode verteilt und großteils im Wiener Landesgericht I hingerichtet. 1955 waren diese Menschen dann die Garanten für unseren Staatsvertrag. Der Beweis also, dass die Österreicher nicht nur Täter, sondern auch Opfer waren.

Erst nach vielen Jahrzehnten, am 11. März 2013, durfte ich erleben, dass der Ort am Wiener Zentralfriedhof, die „Gruppe 40“, wo die damals geköpften Menschen würdelos in Schachtgräbern verscharrt wurden, eine würdige Gedenkstätte wurde. Zu verdanken haben wir das vor allem Bundeskanzler Werner Faymann, Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, Bundesminister Josef Ostermayer, Justizminister Wolfgang Brandstetter und Professor Gerhard Schmid. Die Gedenktafel wurde von Bundeskanzler Faymann und Innenministerin Mikl-Leitner vor sehr vielen Anwesenden enthüllt. Landesschulinspektor Rudolf Toth trug gemeinsam mit den Schremser Steinmetzlehrlingen sehr viel dazu bei, dass die Grabinschriften auf den kleinen Steinen in der Gruppe 40 jetzt wieder gut lesbar sind. Am 21. April 2015 wurde am Landesgericht I aufgrund der Hilfe des Landesgerichtspräsidenten Friedrich Forsthuber eine Gedenktafel für die dort mehr als 1200 geköpften österreichischen Frauen und Männer enthüllt. Vor dem Landesgericht wurde an diesem Abend auch die Stele „369“ von Bundeskanzler Werner Faymann im Beisein von Bundesminister Josef Ostermayer, Justizminister Wolfgang Brandstetter, Professor Gerhard Schmid sowie Kardinal Christoph Schönborn und vielen Angehörigen der Opfer feierlich enthüllt. Eine von Mag. Rudolf Toth initiierte und den Schremser Steinmetzlehrlingen wunderschön gefertigte Gedenktafel mit vielen Namen geköpfter Kameradinnen und Kammeraden wurde am 27. Oktober 2015 in der „Gruppe 40“ von Bundeskanzler Werner Faymann vor vielen Angehörigen der Ermordeten enthüllt.

Es freut mich sehr, dass das „Haus der Geschichte Österreich“ allen vom Nazi-Regime Ermordeten ein immer ehrendes Andenken bewahren wird. Niemals vergessen!

Florian Scheuba

Kabarettist

In einem Land, dessen Umgang mit der eigenen Geschichte oft von dem Wunsch geprägt war und ist, Gras über die Sache wachsen zu lassen, ist es gut zu wissen, dass es Orte gibt, an denen diesbezüglichem Wildwuchs mit dem Rasenmäher Einhalt geboten wird.

Evelyn Schlag

Autorin

In meiner Heimatstadt wurde 1893 der sogenannte „Waidhofener Beschluss“ gefasst,
der Burschenschaftern jüdischer Abstammung die Satisfaktionsfähigkeit absprach.
Noch in den sechziger Jahren trugen bestimmte Rechnungen die Aufschrift Adolf-Hitler-Platz. Mein erster Freund gehörte einer schlagenden Burschenschaft an. Auf einem Ball des Wiener Korporationsrings in den siebziger Jahren war ich stolz, von einem bildschönen Perser (arisch!) zum Walzer aufgefordert zu werden, aber ich flog ihm nach einer Weile aus den Armen, hinein in einen Teufelskessel von Gesinnungsbrüdern. Ich rannte aus der Hofburg, und das war es dann. Nie wieder.
Viele Jahre später schrieb ich eine Erzählung mit dem Titel Touché über meinen Freund, darin sagt er: „Wer einen Schmiss hat, dem kannst du trauen, er ist einer von uns.“
Ich setze große Hoffnung in das Projekt des Hauses der Geschichte Österreich.

Univ. Prof. Dr. Heinrich Schmidinger

Rektor Universität Salzburg

Karl Kraus wird das bitterböse Wort zugeschrieben, dass Österreich das Volk sei, welches aus Erfahrung dümmer würde. In dunklen Stunden der Selbsterkenntnis neigt „man“ diesem Dictum zu, auch wenn man weiß, dass es nicht stimmt und nicht gerecht ist. Ich denke nur daran, wie viel an Auseinandersetzung es während der letzten Jahrzehnte mit der neueren und neuesten Geschichte gegeben hat. Als ein Beispiel mögen die Fernsehdokumentationen „Österreich I“ und „Österreich II“ dienen, die eine große Resonanz in breiten Kreisen der Öffentlichkeit gefunden haben. Beispiele sind aber ebenso die zahlreichen Anlässe des Gedenkens, Erinnerns und Begehens, die alljährlich veranstaltet werden. Dabei geschieht allemal viel Aufschlussreiches, Selbstkritisches und Anerkennenswertes. Trotzdem wird „man“ das Gefühl nicht los, dass es immer noch zu wenig ist, sonst stellte sich nicht regelmäßig die Wut darüber ein, dass an dem (angeblichen) Dictum von Karl Kraus doch etwas stimme. Offensichtlich greift nicht wirklich, was dank der genannten Unternehmungen in Gang kommen könnte bzw. sollte. Leider dringen auch die Ergebnisse der Geschichtsforschungen an den Universitäten und sonstigen wissenschaftlichen Einrichtungen nicht so weit in breite Bevölkerungsteile vor, wie man es erwarten oder doch wenigstens erhoffen würde. Deshalb bedarf es meiner Meinung nach eines ständigen institutionalisierten Ortes der selbstkritischen Befassung mit unserer Geschichte – eines eigenen Hauses der Geschichte. Andere Länder machen uns vor, wie man dergleichen anstellt, um die entsprechende Resonanz zu erzeugen und den angestrebten Effekt hinsichtlich Geschichts- und Gegenwartsbewusstsein zu erzielen. Ergreifen wir die Gunst der Stunde und ahmen wir sie darin nach. Wir tun damit etwas Unerlässliches für die Zukunft unseres Landes.

Dr. Heide Schmidt

Juristin, ehemalige Nationalratspräsidentin und Gründerin des Liberalen Forums

„Aus der Geschichte lernen“, lautet der Apell der bis zur Leerformel überstrapaziert wird und dessen Wirkung kaum erkennbar ist. Und trotzdem ist Geschichtsbewusstsein, das Erkennen und Zusammenhängen, die Nachzeichnung von Beginn und Verlauf von Entwicklungen, das Wissen und Einordnen von Ereignissen ein Schlüssel für eine bessere Zukunft ist. Das Haus der Geschichte Österreich soll einen Beitrag dazu leisten, ich halte ihn für unverzichtbar.
Foto: © Parlamentsdirektion / Bildagentur Zolles KG / Mike Ranz

Dr. Kurt Scholz

Vorsitzender des Kuratoriums des Zukunftsfonds der Republik Österreich

Ein Land ohne Haus der Geschichte ist wie ein Gulasch ohne Paprika.

Heidi Schrodt

Verein BildungGrenzenlos, ehemalige Schuldirektorin

Selbstverständlich brauchen wir in Österreich ein Haus der Geschichte, und ich freue mich sehr, dass es nun endlich umgesetzt wird. Gerade die Auseinandersetzung mit der Geschichte des 20.Jahrhunderts war lange keine Selbstverständlichkeit und ist auch in den Schulen mit großer Verspätung angelaufen. Umso erfreulicher, dass im Konzept des Museums auch speziell auf junge, ja, sehr junge Menschen eingegangen werden soll. So können künftige Generationen österreichische Identität in einem hoffentlich wieder erstarkten Europa schon von klein auf an diesem Ort der Begegnung lernen und erfahren. Ich freue mich auch, dass Österreich als Migrationsgesellschaft im Konzept Eingang gefunden hat. Und, last not least: Ich begrüße den Standort – Eine gute Wahl!
Foto: © Kunsthistorisches Museum Wien

Dr. Klaus Albrecht Schröder

Direktor der Albertina

In Zeiten umfassender gesellschaftlicher Veränderungen erscheint es notwendiger denn je, sich des historischen Standorts zu versichern. Die Auflösung der Nation in supranationalen Organisationen, das Erleben völlig neuer Bedrohungen und die Selbstvergewisserung, was die nationale Identität in Zeiten der Migration wie einer globalisierten Wirtschaft ist oder sein könnte, macht die Gründung eines Hauses der Geschichte zu einem zutiefst virulenten Unterfangen. Ich begrüße ausdrücklich eine kulturpolitische Vision, die den Betrachtungshorizont unserer Gegenwart in die Vergangenheit erweitert und damit letzten Endes klärt.
Foto: © Julia Stix

Univ.-Prof. Dr. Renée Schroeder

Professorin am Department für Biochemie der Max F. Perutz Laboratories

Die Identität der Menschen eines Landes hängt stark von ihrem Wissen über ihre Vorfahren und ihre Geschichte ab. Österreich hat eine dermaßen vielfacettige Vergangenheit mit extremen Hoch- und Tiefpunkten. Es ist eben wichtig diese Facetten richtig zu verstehen um zu wissen in welcher Gesellschaft wir leben wollen. Das Haus der Geschichte hat diese indentitätsstiftende Rolle. Ich freue mich schon sehr auf dieses Haus und werde es mit Respekt und Freude unterstützen.

Kardinal Christoph Schönborn OP

Erzbischof von Wien

Österreich ist ein Land, in dem die Geschichte an allen Ecken und Enden erfahrbar ist. Und doch ist sie viel zu wenig bekannt. Ein „Haus der Geschichte“ bietet die Möglichkeit, die österreichische Geschichte, mit allen Höhen und Tiefen, den Katastrophen und Erfolgen vorurteilsfrei kennenzulernen. Möge dieses Haus den Zusammenhalt unserer Gesellschaft stärken, gerade in dieser Zeit des Wandels. Für Christen ist die Tradition die lebendige Geschichte, die das Vertrauen und den Mut gibt, die Zukunft bewusst zu gestalten.
Foto: ® Stephan Doleschal

Univ.-Prof. DI Dr. Sabine Seidler

Rektorin der TU Wien

Geschichte ist unsere Basis und ein wesentliches Element für unsere Entwicklung, insbesondere wenn wir bereit sind, aus den Erfahrungen der Geschichte zu lernen. Das Haus der Geschichte wird ein solcher Ort des Lernens sein. Es steht für mich als erlebbares, deutlich sicht- und unverzichtbares Zeichen inmitten einer Gegenwart, die wir gestalten und die morgen schon Teil einer Geschichte sein wird. Ohne den Blick ständig rückwärtsgewandt zu haben, sondern vorausschauend und zukunftsorientiert einen neugieren Blick auf das Kommende zu werfen, bewegen wir uns weiter.
Foto: © Raimund Appel

Dr. Danielle Spera

Direktorin Jüdisches Museum Wien

Derzeit ist das Jüdische Museum Wien der einzige Ort in Wien, an dem es in einer Dauerausstellung Zeitgeschichte bzw. die Nachkriegsgeschichte Österreichs zu erleben gibt. Auch der tragischste Bruch in der Wiener jüdischen Geschichte, die Shoah, wird nur hier verhandelt. Es ist hoch an der Zeit, dass sich nicht ausschließlich ein jüdisches Museum der widersprüchlichen Geschichte unseres Landes stellt. Ein Haus der Geschichte in Wien ist daher längst überfällig, denn es gilt die Leere, die es in diesem Zusammenhang in der Museumslandschaft gibt, zu füllen.
Prof. Rathkolb ist ein Garant dafür, dass im Zentrum von Wien ein innovativer, spannender Ort entsteht, der auch den vielen „neuen“ Österreicherinnen und Österreichern, die erst vor kurzem hier her gekommen sind, die Geschichte unseres Landes näher bringt. Wie sich das Jüdische Museum zu einem zentralen Ort der Begegnung, des Diskurses zwischen den Religionen und Kulturkreisen entwickelt hat, so soll auch das künftige Haus der Geschichte die Chance bieten, miteinander ins Gespräch zu kommen, voneinander zu lernen und einander zu befruchten. Ein innovatives, mutiges architektonisches Zeichen sollte auch im Stadtraum auf den hohen Stellenwert dieser neu zu schaffenden Institution hinweisen.
Foto: © Homolka

Dr. Elizabeth T. Spira

Fernsehjournalistin

Geschichte ist nicht bloß Vergangenheit – sie hat uns geprägt. Um die Welt von heute zu begreifen, müssen wir eine Chance haben, einen Blick in die Welt von gestern zu machen. Daher brauchen wir das Haus der Geschichte.

DDr. Christoph Thun-Hohenstein

Generaldirektor und wissenschaftlicher Geschäftsführer MAK

Mit der umfassenden Digitalisierung unserer Zivilisation – von big data und dem Internet der Dinge über künstliche Intelligenz und smarte Roboter bis zum ehrgeizigen upgrading des Menschen – erleben wir gerade das größte Experiment in der Geschichte der Menschheit. Ob wir uns von den brillanten neuen Technologien überrollen und manipulieren lassen oder ihre Möglichkeiten im Interesse einer weltoffen und resonant gelebten Demokratie kongenial zu nützen wissen, hängt maßgeblich von unserem Geschichtsbewußtsein ab: Welche von früheren Generationen erkämpfte Errungenschaften gilt es unbedingt zu bewahren? Welchen Gefahren müssen wir im Lichte der Geschichte entschieden entgegentreten? Was können wir aus der kollektiven Erfahrung der Vergangenheit für die gemeinsame Gestaltung der Zukunft lernen? Auch vor diesem Hintergrund braucht es dringend ein Haus der Geschichte Österreich, das allen hier lebenden Menschen nicht nur Orientierung verschafft, sondern sie auch nachhaltig inspiriert.          Foto: © Sabine Hauswirth/MAK

 

o. Univ. Prof. Mag. Dr. Karlheinz Töchterle

Präsident der Österreichischen Forschungsgemeinschaft (ÖFG)

Historia magistra vitae – Ciceros Optimismus scheint tausendfach widerlegt, gleichwohl ist der Mensch ein animal historicum und bedarf der Vergangenheitsvergewisserung, sowohl individuell als auch kollektiv. Mit dem „Haus der Geschichte Österreich“ wird eine Lücke geschlossen, die uns nicht nur vergleichbare Einrichtungen in anderen Ländern bewusst gemacht haben. Nach intensiven Debatten über den passenden Standort und den stimmigen Zeitraum geht es nun an die Umsetzung. Für diese habe ich zwei Wünsche: Die historische Besinnung möge sich nicht nur auf die Geschichte des Zentrums beschränken, auch die Peripherien unseres Landes haben in dem ins Auge gefassten Zeitraum Bedeutendes zu bieten. Zweitens möge das – wichtige – Wühlen in allen Wunden, die uns andere, aber auch wir selbst uns zugefügt haben, nicht die Leistungen völlig verdecken, die uns nach der 1945 endenden Katastrophe zu einem der wohlhabendsten, sichersten und lebenswertesten Länder der Welt gemacht haben.
Foto: © Parlamentsdirektion, Photo Simonis Wien

Mag. Andreas Treichl

Vorsitzender des Vorstandes Erste Group Bank AG

Es gibt wenige Industrien, die so von der Digitalisierung betroffen ist, wie die Bankbranche. Heute werden entscheidende Weichen für die Zukunft gestellt.
Umso wichtiger ist es für uns, die Geschichte der Erste Bank zu kennen. Warum wir vor 200 Jahren gegründet wurden und was das für uns heute bzw. für die Zukunft bedeutet.
Wir wurden geschaffen, um unseren Kunden Wohlstand zu ermöglichen bzw. auszubauen. Sich darauf zu besinnen und seine Strategie darauf aufzubauen hilft uns enorm, den Fokus zu finden. Und die Geschichte zeigt, wie wichtig es ist, dass es in unserem Land Menschen gibt, die an sich und ihre Ideen glauben. Denn nur so können wir aus der Geschichte lernen und Wohlstand schaffen.
Umso mehr freut es mich, dass rechtzeitig vor unserem 200jährigen Geburtstag das „Haus der Geschichte Österreich“ entsteht.
Foto: © Erste Bank/Daniela Beranek

Thomas D. Trummer

Direktor des Kunsthaus Bregenz

Geschichte als solche gibt es nicht. Es gibt nur Werte, Wissen und Wirkungen des Vergangenen.
Doch diese müssen geprüft werden, von jedem Einzelnen in und für sich und von einer kundigen Fachwelt.
Das Haus der Geschichte ist der richtige Ort, wo sich Bilder und Berichte
treffen. Darin ist es einmalig und notwendig.
Foto: Darko Todorovic Photography

Peter Turrini

Schriftsteller, Bühnenautor, Drehbuchautor

Ein Mensch, der sich nicht für Geschichte interessiert, verliert sich selbst. Ich habe mich früh, sehr früh, auf die Suche begeben. Es waren nicht die Fakten und Daten und Jahreszahlen, die mich interessierten (letztere konnte ich mir ohnehin nicht merken), ich wollte viel mehr Zeuge und Beobachter der historischen Ereignisse sein. Ich hoffte auf die baldige Erfindung der Zeitmaschine, die mich mit Überschall ins gewünschte Jahr zum ersehnten Ereignis bringen würde. Leider gibt es diese Maschine noch immer nicht. Es blieben also die Ausdenkungen der Ereignisse und die Vorstellung, ich sei dabei und würde alles mitkriegen. Nicht der Held selbst wollte ich sein, sondern sein Beschreiber. Ich sah mich als Kartenabreißer im Kolosseum, der den Aufstand von Spartacus erlebte und an König Artus Tafelrunde hätte mir die Position des Kellners durchaus genügt. Später, viel später, hat mir die viel gescholtene „Wehrmachtsausstellung“ geholfen, das Schweigen meiner Geschichtslehrer über diese Zeit besser zu verstehen.
Foto: © Astrid Bartl

Dr. Franz Vranitzky

Bundeskanzler a.D. , Bankmanager

Das 21. Jahrhundert hat sich in seinem noch jugendlichen Alter mit einer Reihe von Entwicklungen eingestellt, die für viele, die in den Kategorien der zweiten Hälfte des vorangegangen Dezenniums denken, unfassbar sind. Viele machen sie ratlos, nicht wenige systemverneinend.
Im Interesse der Menschheit Positives kann wohl nur der berichten, der über recht selektive Sichtweisen verfügt oder es sich gut eingerichtet hat. Will man die Weltbevölkerung als Solidargemeinschaft verstehen – wie sonst auf dem Raumschiff Erde? –, dann ist dieses Modell weiter weg von einer neuzeitlichen Vision als je zuvor.
Wirtschafts- und sozialpolitisch betrachtet öffnet sich die Schere zwischen arm und reich und bekümmert immer weiter. Die eingesetzten Instrumente schaffen nicht nur keine Abhilfe, sondern verschärfen die Problematik noch (Arbeitslosigkeit bleibt hoch, Substanz der Ersparnisse von Kleinanlegern geht zurück. soziale Sicherheit wird als eine Art von Luxus diffamiert usw.). Das Jahrhundertwerk der europäischen Einigung darbt dahin, weil die Regierungen der Mitgliedsstaaten – innenpolitisch zu schwach oder ideologisch machtpolitisch fehlgeleitet – zur gemeinsamen Bewältigung der Herausforderungen nicht fähig sind. Dieses compositum mixtum aus Schwäche und boulevardgefälligem Populismus der Verantwortlichen ist die Ausgangslage für die quellende Wählerzustimmung zu rechtspopulistischen wenn nicht rechtsextremen politischen Parteien. Aber abgesehen von den fälschlicherweise sogenannten Niederungen der Politik befinden wir uns auch geistesgeschichtlich offenbar auf dünnem Eis. Die Mutter allen modernen rationalen Denkens, die Aufklärung, steht zusehendes auf dem Prüfstand. Dies nicht nur auf der Agenda aller möglicher Fundamentalisten – in der ganzen Bandbreite von orthodoxen Moslems bis zu den (hauptsächlich amerikanischen) Schöpfungsgläubigen, sondern auch so mancher Kapitalismuskritiker, die die Lehren des Descartes als Überbau zur Ausbeutung der Massen durch weltweit operierende Konzerne in ein schiefes Licht rücken. Alles in allem: die großen Narrative scheinen breitflächig nicht mehr zu greifen. Der Marxismus wies den Kapitalismus nicht in die Schranken. Der Neokeynesianismus konnte den Neokonservativismus nicht aus dem Felds schlagen. Und Am Ende steht für große Bevölkerungsteile weltweit eine einzig verbleibende Verständnisleere, was sich da überall so eigentlich abspielt.
Ich freue mich darüber, dass Wien ein Haus der Geschichte bekommt. Weil ich davon ausgehe, dass sich dieses Haus mit einem attraktiven Angebot an die österreichische Bevölkerung und an das internationale Interesse wenden und sie damit für sich gewinnen wird. Ich freue mich auf ein Haus, dass das Wissen vermitteln wird. Soll sein über Babenberger und Habsburger, aber auch und vor allem über die geschichtsgebenden Spannungen und Zuneigungen im Vielvölkerstaat, über die liebevollen und leider auch gescheiterten Problemlösungs- und Integrationsschritte einiger Sprosse der kaiserlichen Familie, über die zwei Gesichter des 20. Jahrhunderts in der Bandbreite von der die Welt erschütterten Katastrophen bis zum schicksalhaften Schulterschluss als Antwort darauf.
Einfach waren die Vorarbeiten für das Haus der Geschichte bisher schon nicht. Ganz einfach wird die laufende Arbeit auch in der Zukunft nicht werden. Aber gelänge es dem Haus, ein Haus des Wissens zu werden und als solches nachhaltig anerkannt zu bleiben, hätte ganz Österreich einen großen Schritt vorwärts gemacht, weil dann der Ausstrahlung des Hauses in unserem Staat und darüber hinaus keine Grenzen gesetzt sind. Dies wäre auch eine Gegenanzeige zu dem Vorwurf des amerikanischen Autors Richard Ford an die Desinteressierten: „Die Dunkelheit des Nichtwissens ist bequemer.“
Foto: Kreisky Forum,© Petra Spiola

Univ.-Prof. Dr. Reinhart Waneck

Staatssekretär a.D.

Geschichte kann man beschönigen, versuchen zu fälschen, verdrängen oder leugnen. Aber man kann sie nie ungeschehen machen und sie findet immer den Weg zur Wahrheit auch wenn diese für den Einzelnen sehr subjektiv sein kann. Umso wichtiger ist es, dass der schon allzu lang diskutierte Entschluss gefasst wurde diese Geschichte Österreichs mit hoffentlich all ihren Facetten unter ein Dach zu bringen. Mir persönlich wäre es zwar lieber gewesen das Jahr 1848 als wichtigen Einstieg in die demokratische Entwicklung Österreich zu wählen – denn wer weiß schon dass z.B. Johann Strauß auf der Seite der Arbeiter und Studenten gestanden hatte. Ich bin aber überzeugt, dass unter der Federführung von Univ. Prof Dr. Oliver Rathkolb mit seinem Expertenteam in geeigneter Weise auf die Umstände Rücksicht genommen werden wird. Hauptsache ist, dass es jetzt geschieht, denn wie sagte die derzeit wohl bekannteste österreichische Archäologin und Direktorin des bereits 1898 gegründeten archäologischen Institutes Frau Dr. Sabine Ladstätter „Der Mensch braucht Geschichte als Haus“.

Gerhard Weis

Journalist, ehem. Generalintendant des ORF und dzt. im Kulturmanagement

„Zukunft braucht Herkunft“ – nur wenn man in wenigstens groben Umrissen weiß, was wie sich unser Gemeinwesen in der Vergangenheit entwickelt hat, wenn man die Fehler, die gemacht worden sind ebenso wie die Erfolge kennt, wenn man leidenschaftslos die Herleitung der historischen Entwicklungen in Staat, Gesellschaft und Politik zur Kenntnis nimmt kann man auch mit der Gegenwart zurechtkommen und sich auch Mutmaßungen über unsere Zukunft zutrauen.

Kann man aus der Geschichte lernen? Ja und Nein.

Zu vieles war zeitgeistbedingt, aus Not, Angst, Hochmut, Größenwahn und auch Irrsinn und Wahnsinn geboren – das lässt und soll sich nicht wiederholen. Andererseits gab es auch zivilisatorische Fortschritte (die Entwicklung des Sozialstaats, die Überwindung des Nationalstaatsdenkens wie auch von Großmacht-Phantasien zum Beispiel), die bewahrt werden sollen. Dazu bedarf es eines kritischen Bewusstseins – kritisch im Wortsinn, und das heißt: nicht grundsätzlich dafür oder dagegen sein, sondern unterscheiden können. Vorurteile, Emotionen und überlieferte Halbwahrheiten sind ein Übel – Fakten sind wichtig. Und die soll nun das „Haus der Geschichte Österreich“ liefern, aufbereiten und propagieren. Man muss sich mit seiner, mit unserer Vergangenheit ernsthaft auseinandersetzen um die Probleme der Gegenwart einigermaßen meistern – wichtiger aber noch, um die Zukunft gewinnen zu können. Und dann wird auch wieder Optimismus und Zuvertrauen obsiegen.

Renate Welsh

Kinder- und Jugendbuchautorin, Präsidentin der Interessengemeinschaft Österreichischer Autorinnen und Autoren

In einer Zeit, in der ringsum Mauern gebaut werden, ein gefährlicher längst überholt geglaubter Nationalismus Auferstehung feiert, die Demokratie mit pseudo-demokratischen Mitteln ausgehebelt wird und die Menschenrechte immer mehr in Frage gestellt werden, ist es notwendiger denn je, sich der eigenen Vergangenheit in all ihren Aspekten zu stellen. Sich darauf zu besinnen, welche Leistungen notwendig waren, um ein demokratisches Staatswesen in unserem Land zu etablieren und welche Werte wir schützen müssen, damit sie nicht verloren gehen. In diesem Sinne freue ich mich darüber, dass ein offenes Haus der Geschichte in Wien entsteht und wünsche allen, die daran beteiligt sind, viel Erfolg.
Foto: © Markus Rössle

Botschafter Dr. Hans Winkler

Direktor der Diplomatischen Akademie Wien

Das Verständnis für komplexe Zusammenhänge stellt uns vor große intellektuelle, gelegentlich auch vor emotionale Herausforderungen, wenn es um das Begreifen eigentlich unbegreiflicher Ereignisse geht. Als jemand, der sich seine gesamte professionelle Laufbahn hindurch mit Zusammenhängen in den internationalen Beziehungen beschäftigt hat, weiß ich, dass nachhaltige Lösungen nur zu erreichen sind, wenn die historischen Wurzeln von Entwicklungen – auch und gerade von Fehlentwicklungen – sichtbar gemacht und klar und unmissverständlich angesprochen werden. Als Leiter einer Institution, die eine umfassende und fächerübergreifende Ausbildung junger Menschen, die eine Tätigkeit im weiten Feld der internationalen Beziehungen anstreben, anbietet, lege ich besonderen Wert darauf, in der Diskussion um aktuelle, komplexe internationale Beziehungsgeflechte das Verständnis für historische Entwicklungen, die zu diesen komplexen Situationen geführt haben, zu schärfen.
Die österreichische Geschichte der neueren Zeit kann nicht losgelöst von den historischen Entwicklungen, einschließlich der Katastrophen des 20. Jahrhunderts, auf unserem Kontinent betrachtet und dargestellt werden. Ich erwarte daher vom neuen Haus der Geschichte, dessen Verwirklichung ich nach so langer, nicht immer sachlicher, Diskussion nachdrücklich begrüße, die spezifischen österreichischen Entwicklungen in den größeren Zusammenhängen einer europäischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts begreiflich zu machen. Nur so kann Verständnis für die europäische Dimension unserer Geschichte, aber auch unserer Gegenwart, entstehen.
Als jemand, der sich intensiv mit der Aufarbeitung der jüngeren Geschichte unseres Landes befasst hat, weiß ich aber auch, dass die so unverhältnismäßig und unverantwortlich lange Zeit, die es für einen ehrlichen Umgang mit unserer Geschichte nach 1945 gebraucht hat, uns eine Warnung sein soll, in einer offenen Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte Anzeichen für Fehlentwicklungen, die unsere Demokratie gefährden können, zu erkennen und vor allem der jungen Generation vor Augen zu führen, wohin bestimmte Entwicklungen führen können. Ein Haus der Geschichte, wie es derzeit geplant ist, würde einen wesentlichen Beitrag zu diesem notwendigen Verständnis der Zusammenhänge und ihrer Auswirkungen auf gegenwärtige Entwicklungen leisten können. Ich hoffe daher sehr auf eine baldige Umsetzung des Konzepts, damit schon in naher Zukunft die Menschen in dieser Republik, vor allem junge Menschen, davon profitieren können.

Em. Professor Ruth Wodak, FAcSS

Distinguished Professor and Chair in Discourse Studies Lancaster University/University Vienna

Das ‚Haus der Geschichte‘ wird ein relevanter und wichtiger Begegnungsort in Wien werden, der schon lange gefehlt hat. Relevant und wichtig insbesondere aus dem Grund, weil eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit der österreichischen Geschichte im offiziellen Raum bisher gefehlt hat – ein Raum, wo möglichst viele Menschen an einer Diskussion zu widersprüchlichen Narrativen und Geschichtsbildern partizipieren können und wollen. Da die Geschichte/n Österreichs im 20. Jahrhundert lange Zeit von einem allumfassenden Schweigen umhüllt war, sind viele neue Details, überraschende Informationen und auch unangenehme Wahrheiten zu erwarten, mit denen wir uns alle konfrontieren müssen. Dies, um der krisenhaften Gegenwart und einer ungewissen Zukunft besser begegnen zu können!

Priv.-Doz. Dr. Helmut Wohnout

Geschäftsführer des Karl-von-Vogelsang-Instituts zur Erforschung der Geschichte der christlichen Demokratie in Österreich

Nur wer den Weg kennt, der Österreich vom Zusammenbruch der Monarchie über die gesellschaftliche Zerklüftung der Zwischenkriegszeit in die nationalsozialistische Katastrophe geführt hat, wird in der Lage sein zu verstehen, wie sich nach 1945 sukzessive ein demokratischer Grundkonsens gebildet hat, der die Voraussetzung einer offenen Gesellschaft ist.
In seinem Buch „Vom Reich zur Republik“ zitiert Gerald Stourzh den großen politischen Denker der Habsburgermonarchie Joseph Eötvös, wonach Österreich „ganz als Produkt der Geschichte“ anzusehen ist. Dieses umfassende Bild Österreichs herauszuarbeiten, ist eine der wesentlichen Herausforderungen des Hauses der Geschichte Österreich.
Ich denke, dass der Internationale Wissenschaftliche Beirat mit seiner Umsetzungsstrategie dafür einen richtungweisenden und praktikablen Weg gewiesen hat.

Dr. Alexander Wrabetz

ORF Generaldirektor

Wir können unsere Gegenwart nicht verstehen und die Zukunftsfragen nicht lösen, ohne die Vergangenheit zu kennen. Deshalb ist das „Haus der Geschichte Österreich“ ein enorm wichtiger Beitrag zur Erinnerungskultur und zur Aufklärung. Und diese brauchen wir angesichts der aktuellen  Herausforderungen an Europa mehr denn je. Wir können diese bewegten Zeiten nur mit einem Mehr an Demokratie, einem Mehr an Europa, einem Mehr an Engagement beantworten. Und hier ist der Blick in die Vergangenheit auch ein Wegweiser in die Zukunft. Als elektronisches Gedächtnis der Nation und elektronisches Leitmedium kommt dem ORF hier eine besondere Verantwortung zu. Die Vermittlung von Geschichte und Zeitgeschichte ist für uns ein zentrales Anliegen, weshalb wir das Projekt „Haus der Geschichte Österreich“ begrüßen und unterstützen!
Foto: © ORF/Thomas Ramstorfer

Mag. Kathrin Zechner

ORF Fernsehdirektorin

Die reflektierende Auseinandersetzung mit der österreichischen Geschichte voranzutreiben war und ist eine der wichtigsten Aufgaben der  Programme des ORF – sowohl in fiktionaler als auch dokumentarischer Form. Von „Radetzkymarsch“ bis „Österreich II“, vom „Dorf an der Grenze“ bis „Universum History“ – wir beschäftigen uns in abertausenden Sendungen und Beiträgen mit den Geschichten unserer Geschichte. Diese Produktionen stellen in kreativen, aufklärenden und provokanten Momenten spannende Bezüge zur jeweiligen Gegenwart und Perspektiven für die Zukunft her – und das stößt bei unserem Publikum auf großes Interesse.
Ich halte es für enorm wichtig, vor allem auch bei jüngeren Generationen das Bewusstsein zu schärfen, dass individuelle, gegenwärtige Lebenswelten Ergebnis eines komplexen Prozesses „eigener“ und „anderer“ Geschichte und Geschichten darstellen. Dazu trägt das  ORF-Archiv bei: es enthält unsere Sprache, Identität, sozusagen die digitale DNA des Landes. Unzählige Produktionen, zehntausende einzigartige Zeitzeugen-Interviews und Originaldokumente  bilden  den Quellen-Speicher und gleichsam die „Raffinerie“ zur Verarbeitung dieser wertvollen Rohstoffe – von ZiB History über Mauthausen bis hin zu aufwendig inszenierten Spielszenen zur Geschichte der Bundesländer.
Diese journalistische Kompetenz der Geschichtsaufarbeitung bringt der ORF gerne in das Projekt „Haus der Geschichte Österreich“ ein, um in breiter Kooperation mit allen relevanten Akteurinnen und Akteuren zeitgemäße Geschichtsvermittlung zu unterstützen.

Klaus Zeyringer

emerit. Univ.-Prof., Publizist

Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler“, schrieb Ingeborg Bachmann. Gerade in der heutigen Situation erscheint es mir besonders wichtig, einen Raum für Geschichte, für offene Debatten über Vergangenes und Aktuelles, insbesondere über das Fortleben von Vergangenem im Aktuellen zu schaffen. Der Heldenplatz ist gewiss der geeignete Ort, um für ganz Österreich eine entsprechende Institution zu gestalten: Auf dass alle sich der Historie und der Verantwortung für die Gegenwart bewusst zu werden, sich darüber zu informieren und auszutauschen vermögen.

HR Dr. Gabriele Zuna-Kratky

Direktorin Technisches Museum Wien

Die Notwendigkeit der Errichtung eines „Haus der Geschichte Österreich“ steht außer Frage. Die umfassende Geschichtsaufarbeitung unsers Landes, die sich auch nicht scheut, die „dunklen“ Kapitel unserer Zeitgeschichte darzustellen und in politischen Kontext mit der aktuellen europäischen Situation zu setzen, ist nicht nur für die nächsten Generationen, sondern auch für unser internationales Ansehen von höchster Bedeutung.
Foto: © Inge Prader