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Los, weiter gehen / 1944. Ceija Stojka, Nachlass Ceija Stojka.
Verfolgung von Romnija und Roma durch das NS-Regime

Von Anfang an hetzte die NSDAP auch gegen „Zigeuner“. Diese abwertende Bezeichnung wurde neben anderen Gruppen überwiegend Menschen gegeben, die sich selbst als Roma (Männer) oder Romnija (Frauen) bezeichneten und bezeichnen. Die Verfolgung begann unmittelbar nach dem sogenannten „Anschluss“ im März 1938. Schon bei der folgenden <<Volksabstimmung>> wurden Roma und Romnija ausgeschlossen. Besonders groß war diese Bevölkerungsgruppe im Burgenland, wo es Romani Kindern im Herbst 1938 untersagt wurde, die Schule zu besuchen. 1939/40 wurde dieses Schulverbot im ganzen Bereich des früheren Österreich durchgesetzt und erst 1941 auf das gesamte Deutsche Reich ausgeweitet. Wie mehrere andere Beispiele zeigt diese staatliche Diskriminierung, wie österreichische Nationalsozialisten Methoden der Verfolgung entwickelten, die dann auch von Berlin übernommen wurden. Ähnliches betrifft die Internierung in Zwangsarbeitslager, die schon 1938 eingeführt wurde. Sie betraf auch Roma, die eine feste Arbeit hatten. Zynischerweise rechtfertigten die NS-Behörden diese Verfolgung damit, dass „Zigeuner“ angeboren „arbeitsscheu“ und „kriminell“ seien. 1939 fanden bereits die ersten Deportationen in <<Konzentrationslager>> statt, von denen auch Romnija, also Frauen, betroffen waren. Anders als im deutschen „Altreich“ konnte diese Verfolgung so schnell organisiert werden, weil noch in der Zeit der demokratischen Ersten Republik eine Kartei mit jenen Menschen angelegt worden war, die als „Zigeuner“ oder „Zigeunerinnen“ betrachtet wurden. Diese dienten als Vorlage für die Deportationslisten.

Die zweite Phase der Verfolgung begann im Oktober 1939, als die SS anordnete, dass alle Gruppen, die mit Pferden oder anderen Wagen herumzogen, an dem Ort, an dem sie sich gerade aufhielten, bleiben mussten. Damit sollten sie leichter für den NS-Terrorapparat greifbar sein. In eigenen „Zigeunerlagern“ wurden die Männer, Frauen und Kinder unter unmenschlichen Bedingungen eingesperrt, zu Arbeit gezwungen und schließlich ab 1941 weiter deportiert – meist in Vernichtungslager. Solche „Zigeunerlager“ waren in Österreich zahlreich, das größte bestand in Lackenbach (B), daneben aber auch in Weyer-St. Pantaleon (OÖ), Salzburg-Maxglan, sowie in Fürstenfeld, Murau-Triebendorf, Leoben, Knittelfeld, Kobenz und St. Lambrecht (alle Steiermark). Persönlich beschwerten sich Roma und Romnija bei lokalen und übergeordneten NS-Stellen, versuchten ihre Verwandten oder sich selbst vergeblich mit schriftlichen Bittgesuchen aus der Internierung zu befreien oder protestierten gegen die Verfolgung.

Die dritte Phase begann schließlich 1943, als die SS alle verbliebenen Roma und Romnija nach Auschwitz-Birkenau deportierte. Im August 1944 wurden bis auf wenige jüngere Häftlinge, die für Zwangsarbeit benötigt wurden, alle Inhaftierten des sogenannten „Zigeuner-Familienlagers“ Auschwitz-Birkenau in den Gaskammern ermordet.

Von den geschätzten 11.000 Roma und Romnija, die 1938 österreichische StaatsbürgerInnen waren, überlebten nur etwa 1.500 bis 2.000 den Völkermord. Die örtlichen Gendarmerieposten beschwerten sich noch 1945, dass die „Zigeunerplage“ nicht gelöst sei. Roma und Romnija wurden lange nicht als „richtige“ KZ-Opfer betrachtet und die NS-Vernichtungspolitik insgeheim gutgeheißen. Dass Gesellschaften in ganz Europa der Perspektive der Opfer selbst stellen mussten, ist österreichischen Überlebenden zu verdanken, allen voran <<Ceija Stojka>>, die ab den 1980er Jahren unermüdlich ihre Geschichte als verfolgte Romni durch Bücher, Filme und in Schulklassen verbreitete.

Externe Ressourcen:

http://www.doew.at/erkennen/ausstellung/1938/die-verfolgung-der-oesterreichischen-roma

Richtlinien für die Funktionäre der NSDAP zur Führung des Wahlkampfes vor der Volksabstimmung im April 1938 [Ausschnitt]: https://www.mediathek.at/gedenkjahr-2018/1938/suche/detail/atom/132D8608-10F-001E5-00000478-132D043B/pool/BWEB/

Verkündung der Ergebnisse der Volksabstimmung im Wiener Konzerthaus [Ausschnitt]: https://www.mediathek.at/gedenkjahr-2018/1938/suche/detail/atom/132D8CCC-1F1-002A8-00000478-132D043B/pool/BWEB/

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