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Was ist Österreich? Menschen und Geschichten in 101 Objekten

Erhältlich um € 39,- nur an der Kassa des Hauses der Geschichte Österreich am Wiener Heldenplatz von Dienstag bis Sonntag zwischen 10 und 18 Uhr, am Donnerstag bis 21 Uhr!

Jetzt im Weihnachtspaket gemeinsam mit der hdgö-Jahreskarte um nur € 49,- nur an der Kassa des Hauses der Geschichte Österreich (gilt bis 31.12.2019)!

 

Was ist Österreich?
Eine Frage mit unendlich vielen Antworten

(Auszug aus dem Vorwort der Direktorin)
 

Österreichs jüngste Geschichte immer wieder aufs Neue zu befragen ist eine der Kernaufgaben des Hauses der Geschichte Österreich. Gegründet im 21. Jahrhundert in einer demokratischen Republik hat es völlig andere Rahmenbedingungen, Herausforderungen und Chancen als Museen, deren Gründungsgeschichte sich dem 18. oder 19. Jahrhundert verdankt. Denn das Selbstverständnis der Geschichtsmuseen hat sich seit ihrer Entstehung in der Französischen Revolution deutlich verändert. Galt es noch bis in das 20. Jahrhundert hinein, die bedeutendsten Baudenkmäler, die Statuen der Herrscher sowie der wichtigsten Heerführer und Kulturheroen zu sammeln, zu bewahren, aus zustellen und damit die Geschichte der Nation zu definieren, muss ein zeitgeschichtliches Museum des 21. Jahrhunderts ein Ort des demokratischen Diskurses sein. Die Institution Museum, vor allem das historische Museum, hat sich demokratisiert, die Philosophin Nora Sternfeld spricht sogar von einem „radikaldemokratischen Museum“.

 

Repräsentation und Teilhabe zahlreicher Anspruchsgruppen,Wissensvermittlung
in unterschiedlichen Formaten, digitale Angebote sind nur einige der neuen
Aufgaben, für die Zugangsweisen zu konzipieren und umzusetzen sind, wobei auch die klassischen Funktionen – Sammeln, Bewahren, Erforschen, Ausstellen, Vermitteln – stets mit aktuellen Anforderungen durchlüftet werden.
Das historische Museum der Gegenwart ist somit ein dynamischer, faszinierender Ort des Ausverhandelns von Vergangenheit, Gegen wart und Zukunft.

 

Die Republik Österreich hat sich im April 2016 mit der Novellierung des Bundesmuseumsgesetzes nach jahrzehntelangem Ringen zur Gründung eines modernen zeitgeschichtlichen Museums ent schlossen. Einerseits schließt sie damit zu Entwicklungen in Deutschland auf, wo das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland heuer sein 25-jähriges Bestehen feiern konnte, oder in Brüssel, wo das Haus der Europäischen Ge schichte im Mai 2017 eröffnete. Andererseits kann die Republik Österreich gerade durch die späte Gründung eine Vorreiterrolle einneh men, denn vor dem Hintergrund der skizzierten aktuellen museologischen Ansätze kann hier von Beginn an ein neues, zukunftsweisendes Konzept umgesetzt werden.

 

Eines steht für das Haus der Geschichte Österreich fest: Es ist als Diskussionsforum gesetzlich verankert und seine Auf gabe ist es nicht, bestimmte Sichtweisen auf die Zeitgeschichte festzuschreiben oder gar zu definieren, was Österreich ausmacht, was es ist; vielmehr soll die Frage „Was ist Österreich?“ immer wieder neu diskutiert werden. Das Selbstverständnis des zeitgeschichtlichen Museums des Bundes ist es, neue Lesarten der österreichischen Geschichte auf Basis der jüngsten Forschungsergebnisse zu entwickeln und zu vermitteln.

 

Noch vor der Eröffnung im November 2018 konnten wir mit dem Lesebuch „100 × Österreich. Neue Essays aus Literatur und Wissenschaft“ die Vielstimmigkeit und Vielfältigkeit Österreichs in hundert Stichworten, die von hundert Autorinnen und Autoren vorgeschlagen wurden, festhalten und gleichsam eine intellektuelle Feldvermessung vornehmen. Mit der Eröffnungsausstellung des Museums, „Aufbruch ins Ungewisse – Österreich seit 1918“, ist es gelungen, einen Raum zu eröffnen, in dem Geschichte verhandelt werden kann, in dem sich Demokratieentwicklung und ihre Brüche in sieben Themenschwerpunkten anschaulich erfahren und angesichts von Zeugnissen materieller Kultur und anhand von medialen Objekten diskutieren lassen.

 

Nun liegt mit „Was ist Österreich? Menschen und Geschichten in 101 Objekten“ ein weiterer Zugang vor, Österreich rück- und vorwärts zu denken. Im Zentrum der Publikation stehen die Verknüpfungen von Menschen, Dingen und Geschichten. Das Buch versteht sich als erweitertes Angebot zur Eröffnungsausstellung, nicht als deren zweidimensionale Ausgabe. Kein noch so gut durchdachter Katalog gibt wieder, welche Bezüge, Relationen, Eindrücke in der dreidimensionalen Ausstellungent stehen; daher haben wir diesen Versuch auch nicht unternommen. Vielmehr möchten wir hier eine Nahaufnahme von Beziehungen zwischen Menschen und Dingen anbieten, die im Zusammenspiel von Bildern und Kurztexten erzählt werden.

 

Jedes der aus gewählten Objekte steht für sich und hat doch eine Signifikanz für ein Ereignis, für eine Erfahrung. Denn manchmal liegt in der Mikrogeschichte, im scheinbar unbedeutenden Detail eine „soziale Energie“ (Stephen Greenblatt), die unerwar tete Perspektiven auf die Vergangenheit eröffnet. Mit diesem nahen, neugierigen Blick sind wir inmitten der pulsierenden österreichischen (Zeit-)Geschichte mitsamt ihren Widersprüchen und Überraschungen.

 

Die 101 Objekte können als kristalline Formen der inneren Ver flechtung von Öffentlichkeit, Privatheit, Politik, Medien etc. verstanden werden.
Sie repräsen tieren – frei nach Pierre Bourdieu –den „besonderen Fall des Möglichen“, den„Einzelfall in einem end lichen Universum von möglichen Konfigurationen“.

 

Die Publikation folgt einem losen chronologischen Aufbau; sie startet mit einem
Objekt aus 1883 (also noch vor dem als Zeit -raum der Ausstellung gewählten Centennium), das auf das Verhältnis Kaiser Franz Josephs zum Parlamentarismus verweist. Die Loge im neuen Parlamentsgebäude, für deren aufwendigen Dekor der „Kaiserlogenbehang“ vorgesehen war, hat der Monarch wohl nie betreten.

Der Einstieg in das Zeitalter der Republik erfolgt über eine vermeintliche „Fußnote“ der Geschichtsschreibung: Die Gewichtstabellen der Wienerin Maria Lienhart dokumentieren, wie nahe die „große“ Geschichte an die Menschen heranrückt, Spuren an ihnen und ihren Körpern hinterlässt, derer sich wohl kaum jemand in den Hungerjahren während des Ersten Weltkrieges entziehen konnte. Beide Objekte – das repräsentative Textil, das vermutlich nach einem Entwurf von Theophil Hansen ausgeführt wurde, und die mit zarter Feder penibel über Jahre geführten Gewichtsaufzeichnungen – sind uns gleichwertige Spuren und Zeugnisse der Geschichte.

 

Geschichte wird von Menschen gemacht und geschrieben – manchmal mit
noch ungelenkiger Handschrift in ein Schulheft– und sie findet sich auch auf den Brettspielen im häuslichen Wohnzimmer wieder. Diese (Gewalt-)Geschichte konfrontiert uns mit Fragen an die Gegenwart und Zukunft – etwa wenn ich an das Objekt 101 denke, das für die offenen Diskussionen über den Umgang mit dem „kontaminierten“ Ort der Terrasse der Neuen Burg steht, wo sich heute das Haus der Geschichte Österreich befindet; am 15. März 1938 aber gab Adolf Hitler dort den „Anschluss“ seiner Heimat an das nationalsozialistische Deutschland bekannt und Hunderttausende Österreicherinnen und Österreicher jubelten ihm begeistert zu. Diese Bilder sind bis heute ein Stachel im kollektiven Gedächtnis Österreichs.

 

Für das Entstehen dieser Publikation gilt es vielen zu danken: Ohne zahlreiche höchst engagierte Privatpersonen, die materielle Spuren der Geschichte gesammelt, dokumentiert und uns zur Verfügung gestellt haben, wäre dieses Buch nicht so reich an Artefakten und persönlichen Geschichten. Die kollegiale Unterstützung anderer Museen und bewahrender Einrichtungen intensiviert in der Zusammenschau der Dinge die Vielfalt der Perspektiven auf die jüngste österreichische Geschichte.
 

Monika Sommer
Direktorin Haus der Geschichte Österreich